Insolventes TK-Systemhaus: Betrugsverdacht gegen Telba-Management

Die Telba AG mit Hauptsitz in Düsseldorf hat Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Gegen Aufsichtsräte und Manager des Unternehmens laufen derweil Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen Untreue und Bestechung.

Telba-Firmenzentrale in Düsseldorf: Haben Mitglieder von Geschäftsführung und Aufsichtsrat trotz staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen genügend Zeit, Telba zu retten? (Foto: Folker Lück)

Die Telba AG ist eines der größten, herstellerunabhängigen ITK-Systemhäuser in Deutschland, das unter anderem Niederlassungen in Frankfurt, Stuttgart, Nürnberg und München unterhält. Jetzt muss es gegen die drohende Pleite kämpfen: Das zuständige Amtsgericht Düsseldorf hat dem Insolvenzantrag entsprochen und den Düsseldorfer Rechtsanwalt Horst Piepenburg zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Dr. Dirk Andres unterstützt als Sanierungsexperte die Telba-Geschäftsführung. Andres kennt sich in der Branche aus und unterstützte unter anderem auch B.com und Maxdata. Der Geschäftsbetrieb des Unternehmens läuft unverändert weiter. Die Gehälter der rund 400 Beschäftigten des ITK-Systemhauses sind über das Insolvenzgeld gesichert.

Durch die Anordnung der Eigenverwaltung soll die Sanierung des Unternehmens ermöglicht werden. Die Ursachen für die Insolvenz liegen laut dem Vorstandsvorsitzenden Andreas Bargende vor allem darin, dass eine geplante Umfinanzierung nicht vor Ablauf eines Moratoriums abgeschlossen wurde. »Wir sind zuversichtlich, dass der Telba nach der Antragstellung wieder alle Optionen offenstehen«, erklärt Bargende. Vom Insolvenzantrag nicht betroffen ist die Telba GmbH in Löbichau, Berlin, Erfurt und Halle.

Die derzeitige Schieflage bei Telba erfordert sicherlich höchste Aufmerksamkeit des Managements. Doch ausgerechnet der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred A. Wagner, der Vorstandsvorsitzende Andreas Bargende und der Aufsichtsrat Mark Agatz müssen sich derweil wegen schwerer Vorwürfe vor Gericht verantworten. Alle drei Herren waren bis 2011 bei der Hofheimer Deufol, einer international tätigen Unternehmensgruppe der Verpackungsindustrie, tätig: Manfred Wagner war Geschäftsführer des Tochterunternehmens Deufol Tailleur GmbH, Andreas Bargende war Vorstandsvorsitzender der Deufol AG. Auch Mark Agatz war bei der Deufol beschäftigt; heute ist Agatz neben seiner Tätigkeit bei Telba auch Geschäftsführer der Duisport Packing Logistics International N. V. mit Sitz in Antwerpen – ein Tochterunternehmen der Duisburger Hafen AG. Gegen alle Herren hat die Staatsanwaltschaft in Frankfurt/M. ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Die Deufol behauptet: Über ein komplexes Geflecht von Firmen und Firmenbeteiligungen sollen Gelder abgezweigt worden sein. Dabei geht es um eine beachtliche Summe: Die Deufol verklagt Bargende, Wagner, Agatz und weitere Personen auf insgesamt rund 26,4 Millionen Euro Schadensersatz.

Die schwerwiegenden Vorwürfe sind auch den langjährigen Telba-Eigentümern, der Familie Schwabe, nicht verborgen geblieben. Wie CRN aus Unternehmenskreisen erfuhr, soll es bereits im vergangenen Jahr zu einem heftigen Zerwürfnis zwischen dem stellvertretenden Telba-Aufsichtsrat Peter Schwabe und dem heutigen Aufsichtsratschef Manfred Wagner gekommen sein. Ob dieser Streit konkret mit den gegenüber Wagner und Bargende erhobenen Beschuldigungen in einem Zusammenhang steht, ist nicht bekannt. Nach CRN-Recherchen wurden die Anwälte der Familie Schwabe allerdings darüber informiert, dass in Frankfurt gegen Wagner, Bargende & Co. wegen Untreue und Bestechung ermittelt wird.

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