Agentic AI: Systemhäuser müssen zu Plattformbetreibern werden
Viele KI-Projekte kommen über den Pilotstatus nicht hinaus. An den Agenten liegt das selten. Matthias Nietz, Geschäftsführer der netgo software GmbH und Leiter des Competence Center AI, erklärt, warum sich die Rolle des Channels gerade verschiebt.
Wenn ich mit Geschäftsführer:innen und IT-Leiter:innen über Agentic AI spreche, geht es kaum noch um die Frage, ob ein Agent eine Aufgabe lösen kann. Die Frage lautet: Wo greift der Agent auf Daten zu, wer kontrolliert ihn und wer betreibt das Ganze, wenn der Pilot vorbei ist?
Die meisten KI-Projekte scheitern nicht an der Intelligenz der Agenten, sondern an der Architektur dahinter. Ein Agent, der ERP, CRM und Dokumentenmanagement verbinden soll, braucht saubere Datenquellen, klare Berechtigungen, klare Guardrails und einen stabilen Betrieb. Fehlt das, bleibt es bei den netten Prototypen.
Vom Lieferanten zum Betreiber
Für Systemhäuser und MSPs ändert das die Rolle. Lange haben wir im Channel Infrastruktur geliefert und betrieben: Server, Netzwerke, Arbeitsplätze, später Cloud-Ressourcen. Mit Agentic AI rückt die Ebene darüber in den Vordergrund. Kunden brauchen jemanden, der Infrastruktur, Plattform und Anwendungen so zusammenführt, dass KI im Alltag läuft und nicht nur in der Demo.
Darin liegt eine Chance. Hyperscaler liefern Modelle und Rechenleistung, aber sie kennen weder die gewachsene Systemlandschaft eines Mittelständlers noch seine Prozesse. Systemhäuser kennen beides. Wer weiß, welche Daten im ERP liegen, welche Prozesse darauf laufen, wer sie sehen darf und wie ein Agent sie sicher erreicht, und das auf einer passenden Plattform betreibt, bleibt der Ansprechpartner, wenn Agenten in Kundenprozessen laufen. Wer diese Nähe mit einer belastbaren Plattform verbindet, bleibt für Kunden auch dann der erste Ansprechpartner, wenn KI zum Tagesgeschäft wird.
Was die Plattform leisten muss
Bei netgo haben wir dafür 2025 die netgo Application Platform weiterentwickelt: ein Plattform-Stack, der Infrastruktur, Betrieb und Anwendungen aus einer Hand verbindet. Sie bringt zusammen, was Agentic AI im Unternehmen braucht: eine Umgebung zum Entwickeln, Workflows für Prozesse, KI-Dienste für Agenten und Wissen, sowie Apps und Services zur Anbindung bestehender Systeme. Er basiert auf Managed Kubernetes, Cloud-nativen Standards und Open Source. Dadurch ist er hochverfügbar, skalierbar und portierbar. Betrieben wird er in der netgo cloud oder gemeinsam mit HPE im Rechenzentrum der Kunden. Darauf setzen die Module netgo Application Platform Workflow, AI, Developer sowie Apps & Services auf.
Der Grund für diesen Aufbau: Agenten sind nur so gut wie die Umgebung, in der sie arbeiten. Identitäten, Berechtigungen, Compliance und Governance müssen geregelt sein, bevor ein Agent auf ein ERP-System zugreift.
Ein Prinzip ist für uns gesetzt: Human in the Loop. Agenten übernehmen assistierende Aufgaben, schaffen Transparenz und entlasten Teams. Entscheidungen und Verantwortung bleiben beim Menschen und sind auch nachvollziehbar.
Ein Beispiel aus der Praxis
Wie das aussieht, zeigt ein Pilotprojekt mit einem Dienstleistungsunternehmen. Die Ausgangsfrage war: Wie behalten Mitarbeitende und Kunden in einer komplexen Organisation den Überblick zu Angeboten und Prozessen? Auf der netgo Application Platform haben wir dafür KI-gestützte Prozesse aufgebaut. Dort unterstützen KI-Assistenten die Mitarbeitenden bei ihrer täglichen Arbeit. Sie greifen auf das Unternehmenswissen zu Prozessen, Dokumenten und Zuständigkeiten zurück, und weil sie an die Fachsysteme angebunden sind und die nötigen Zugriffe haben, beantworten sie auch Fragen zu aktuellen Fällen schnell. Automatisierte KI-unterstütze Workflows, die über ein Kundenportal angesteuert werden ergänzen das Ganze. Heute sind die Prozesse transparenter, neue Mitarbeitende finden sich schneller zurecht, und das Unternehmen hat einen digitalen Kanal zu seinen Kunden.
Was Systemhäuser jetzt tun sollten
Wer KI-Projekte begleiten will, muss zuerst die Use Cases des Kunden tief verstehen. Daran hängt, wie sich die Lösung nahtlos in dessen Workflows integrieren lässt und welches Betriebsmodell samt Compliance, Governance und Guardrails sie braucht, und das von Anfang an. Bei der Umsetzung stehen oft zwei Optionen im Raum: Know-how selbst aufbauen, mit hohem Invest, aber maximaler Unabhängigkeit. Oder alles auslagern, mit geringem Aufwand, aber maximaler Abhängigkeit. Plattformen auf offenen Standards sind hier der attraktive Mittelweg, den Systemhäuser anbieten sollten: Viele Themen werden dabei direkt über die Plattform abgedeckt, und trotzdem bleiben Kunden flexibel. Gerade mit KI wird Souveränität für viele Kunden immer wichtiger, denn sie wollen wissen, wo ihre KI läuft und wer darauf zugreift.
Ob Agentic AI im Mittelstand ankommt, hängt deshalb weniger an den Modellen als am Betrieb. Und Betrieb ist das, was der Channel kann.
Über netgo
netgo mit Hauptsitz in Berlin zählt zu den führenden Managed Service Providern in Deutschland. Mit einem Umsatz von ca. 400 Millionen Euro sowie rund 1.400 Mitarbeitenden an über 25 Standorten begleitet netgo seit 2007 über 9000 Kunden bei der digitalen Transformation und sorgt für einen zukunftsfähigen IT-Betrieb – darunter wachsende Unternehmen, etablierte Mittelständler und öffentliche Auftraggeber.
Auf dem Weg vom Systemhaus zur IT-Service-Plattform verbindet netgo das Portfolio eines großen Providers mit der Geschwindigkeit eines regionalen Partners.
Das Portfolio umfasst Cloud & Data Center, Cybersecurity, Connectivity, Modern Workplace, Business Solutions, Data & Analytics sowie individuelle Software und KI-Lösungen – abgerundet durch übergreifende Managed Services und Hersteller-Partnerschaften.
Eigene Plattformen wie der centralhub und die netgo Application Platform (nAP) bilden die Grundlage für IT-Beschaffung und souveränen KI-Einsatz.
Mehr Informationen auf www.netgo.de.
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