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Wo der Mensch steckengeblieben ist

Zwischen Affe und Homo sapiens

03. Dezember 2019, 14:33 Uhr   |  kopfnuss@crn.de | Kommentar(e)

Zwischen Affe und Homo sapiens
© AdobeStock/ David_Carillet

Das Übergangsglied vom Affen zum Menschen sind – wir, beobachtete Konrad Lorenz. Die Evolution hat es seither nicht gerade gut mit uns gemeint, im Gegenteil.

Hals und Oberköper strecken sich langsam in die Höhe, der Kopf bewegt sich plötzlich ruckartig nach links und rechts, die Augen fixieren wechselseitig die Gegner, während sich die Nackenhaare zu sträuben und die Arme wie Flügel kräftig zu rudern beginnen. Das naturhafte Gehabe endet schließlich mit einem stoßartigen Geschrei und wildem Gehake auf des Gegners Schädel, das Seismologen mit einer sechs auf der offenen Richterskala registrieren würden: Mittelschweres Erdbeben. Anfällige Konstitutionen brechen daraufhin in sich zusammen, robuste Gestalten können sich dagegen gerade noch halten. Willkommen im wöchentlichen Meeting unter der Leitung eines autoritär-dominanten Chefs!

Durchaus denkbar diese szenische Schilderung aus dem täglichen Business.
Solche Agressionsabfuhren sind Augenzeugen zufolge leider noch immer nicht gänzlich ins Lehrbuch untergegangener Menschheitskulturen gewandert. In so machen Bürofluren werden bis heute raue vorbildlich gepflegt, wie sie auch Ornithologen im Südosten Neuseelands zuverlässig bestaunen können. Dort am anderen Ende der Welt ist der Gelbaugenpinguin gerade zum Vogel des Jahres gekürt worden. Ein Zufall ist das nicht, und außerdem nicht nur für Ornithologen von Interesse.


Klar ist dieser Vogel aus Vogelfreunds Sicht schützenwert, weil vom Aussterben bedroht. Sozialwissenschaftler und Psychiater indes sind sich einig: Diese Wahl ist auch symptomatisch für den Weltenzeitgeist, gelten doch Gelbaugenpinguine als ausgesprochen aggressive Einzelgänger, an denen es unter der Gattung Mensch nicht gerade mangelt.


Kritikern solcher Esoterik sei gesagt: Analogien zwischen Vogel und Mensch sind gar nicht so selten. Wir sehnen doch bisweilen den Galgen herbei für so manchen schrägen Vogel aus der Politik, was den schlechten Ruf des Galgenvogels sprichwörtlich gemacht hat.  Kopf in der Sand stecken und die Realitäten ausblenden: Eine solche Vogel-Strauß-Taktik hat schon so manchem prosperierenden Unternehmer die Zukunft gekostet.   


Nein, irgendwo zwischen Affe und Homo sapiens müssen wir tatsächlich steckengeblieben sein, wie  Konrad Lorenz dereinst richtig beobachtete. Nur wo genau, das konnte selbst der berühmte Verhaltensforscher leider nicht diagnostizieren.

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