Schwerpunkte

Zwischen Aufbruch und Zusammenbruch

Was bleibt, wenn Corona geht

31. Juli 2020, 11:07 Uhr   |  Martin Fryba | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Krise vor der Krise

 Alexander Maier, Deutschland-Chef Ingram Micro
© Ingram Micro

Alexander Maier, Deutschland-Chef Ingram Micro

In der Vergangenheit mehr schlecht als recht aufgestellte Unternehmen bleiben auch in einer allgemein wieder prosperierenden Post-Corona-Zeit krisenanfällig und werden ums Überleben kämpfen. Staatsinterventionismus wie Hilfsfonds oder das seit Frühjahr gültige Covid-19-Insolvenz-Aussetzungsgesetz (COVinsAG), wonach Geschäftsführer nicht für eine Insolvenzverschleppung persönlich haften müssen, wenn sie Corona-bedingte Umsatzeinbrüche belegen können und ihre Unternehmen eigentlich insolvenzreif wären, werden schon vor der Krise unrentable Firmen ohne tragfähige Geschäftsmodelle nicht retten können. »Das Coronavirus wirkt hier wie ein Brandbeschleuniger. Es droht ein Flächenbrand im Mittelstand, mit sprunghaftem Anstieg von Insolvenzen oder Unternehmensübernahmen«, befürchtet  Ingram Micro-Deutschland-Chef Alexander Maier. »Das wird zu einer gewissen Neuordnung des deutschen Mittelstands führen«. Noch sinken sogar die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland, was sich umdrehen könnte, wenn COVinsAG im Oktober, spätestens aber im kommenden Frühjahr ausläuft. Euler Hermes rechnet für Deutschland nach langen Jahren des Rückgangs wieder mit einem Anstieg der Firmeninsolvenzen und zwar um rund zehn Prozent. Vergangenes Jahr gingen rund 19.000 Unternehmen pleite, es könnte aber auch ein deutlich höherer Anstieg werden, wenn die Ressezion gravierender ausfällt und die Erholung 2021 weitgehend ausfällt. Das wäre dann tatsächlich das Auftauchen des berüchtigten Schwarzen Schwans – ein höchst unwahrscheinliches Ereignis würde eintreten – mit fatalen Folgen.

Der Dominoeffekt träfe auch die mittelständische IT-Dienstleistungsbranche, also Kunden der Distribution. Ingram Micro und andere Grossisten reagieren einstweilen: Zahlungsziele werden verlängert, Finanzierungsangebote ausgeweitet – zum Teil in enger Abstimmung mit Herstellerpartnern.

Meik Blase, Wortmann AG
© Wortmann

Meik Blase, Wortmann AG

Auch hier gilt: War das Geschäftsmodell eines Fachhändlers schon vor der Krise wenig rentabel und blieb eine Neuausrichtung aus, werden Liquiditätshilfen die strukturellen Defizite allenfalls eine Zeit lang überdecken – mehr auch nicht. Es ist nicht so, dass alle Akteure in der IT-Branche gleichermaßen vom plötzlich hereinbrechenden Boom nach Clients, IT-Infrastruktur oder Videoplattformen profitieren. An der Börse zeigen schließlich auch die aktuellen Kurse der großen IT-Hersteller ein sehr gemischtes Bild, was sich auch in jeder Partnerlandschaft eines Herstellers spiegelt.

Der IT-Markt werde  sich nach vollständiger Rücknahme der Beschränkungen wieder erholen, ist sich Maik Blase von Wortmann sicher. Ausgesetzte oder verschobene Investitionen würden mit einiger Verzögerung nachgeholt, wenn auch nicht in dem vollen Umfang wie es ohne den Shutdown der Fall gewesen wäre. Fatal für einige Reseller, denn es stehe zu befürchten, »dass nicht alle Händler diese Krise überstehen. Das bedauern wir«, sagt Blase.

Seite 2 von 5

1. Was bleibt, wenn Corona geht
2. Krise vor der Krise
3. Gut aufgestellt
4. Neues Denken statt im Alten haften bleiben
5. Digitalisierung binnen Stunden

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Integration der Plattformen von Verizon und Microsoft
Händler steigern ihren Umsatzanteil bei Amazon
Intelligente Investitionen sind gefragt
Dynabook bietet mobilen Arbeitsplatz als Monatsabo
Corona-Krise beflügelt Amazon

Verwandte Artikel

Amazon, Microsoft , Bechtle, Zoom, ADN, Wortmann, Fujitsu, Allied Telesis, Kyocera, LANCOM Systems, Cisco, Dynabook, bb-net

Management&Recht

Ressourcenmanagement