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re:publica analysiert Trend der Verkürzung

Überlebenswichtig und gefährlich zugleich

06. Mai 2019, 17:50 Uhr   |  Lars Bube

Überlebenswichtig und gefährlich zugleich
© Tim - AdobeStock

Das Motto der diesjährigen Digitalkonferenz re:publica »tl;dr« greift ein Grundproblem der digitalen Gesellschaft und Kommunikation auf: Inhaltsverknappung als notwendige Anpassung und Zeichen der Machtlosigkeit.

Das Motto der Digital-Konferenz re:publica »tl;dr - too long; didn’t read« gehört inzwischen maßgeblich zur Kultur des Netzes. Der Trend der Verkürzung sei ein Überlebens-Werkzeug im Netz, sagte die Forscherin und Analystin Nanjira Sambuli auf ihrer Eröffnungsrede der Internet-Konferenz am Montag in Berlin. Bei der Flut der Informationen sei das ein Kompromiss. Aber: »Haben wir wirklich eine Alternative?« Sambuli hob jedoch vor allem die Gefahren hervor: Der Trend werde immer wieder von Regierungen oder Organisationen missbraucht.

Kurze Statements in 140 Zeichen auf der einen Seite und ellenlange Fußnoten auf der anderen, die kaum mehr jemand liest - die Kultur des »tl;dr« geht davon aus, dass etwa Datenschutzerklärungen oder Allgemeine Geschäftsbedingungen zu komplex und zu lang sind, als dass die Nutzer im Alltag komplett zur Kenntnis nehmen. Die potenzielle Gefahr von Verschleierungen steige damit.

»Risiken und ernsthafte Bedrohungen, gerade auch bei großen Social-Media-Plattformen, kommen auf uns zu.« Es gelte deshalb, die Kosten dieser Kultur »genau zu kalkulieren«. Indem die Nutzer die Bedingungen akzeptierten, gestehen sie zugleich ein, dass sie keine andere Wahl haben, als den Anbietern oder Plattformbetreibern zu vertrauen - und das mit potenziell ernsthaften Folgen, sagt Sambuli. »Es ist an der Zeit, die Art von Organisationen, die wir für dieses Zeitalter benötigen, neu zu gestalten, zu reformieren und aufrechtzuerhalten.«

Sambuli setzt dabei auf die Wiederbelebung bürgerschaftlichen Engagements und die aktive Pflege des Diskurses. Es gehe darum, Widerstand gegen das wachsende Gefühl der Hilflosigkeit zu leisten, darum, dass die Nutzer ihre Macht und Autorität zurückgewinnen. Die Wissenschaftlerin ist politische Botschafterin der von dem Erfinder des World Wide Web, Tim Berner Lee, gegründeten Web Foundation. Diese hat sich unter anderem die Förderung der digitalen Gleichstellung beim Zugang zum Internet und dessen Nutzung zur Aufgabe gemacht und tritt für einen respektvollen Umgang im Netz ein.

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