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Streit um Abschaffung von Gratislizenzen bei Microsoft

Top oder Flop? Die CRN-Analyse zu Microsoft

09. Juli 2019, 16:31 Uhr   |  Martin Fryba


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Was für ein Fehler, diese Abschaffung von Gratislizenzen!

© AdobeStick/ddrockstar

Der Wegfall von MAPS-Abonnements und der Verweis von Microsoft auf einen künftigen Kauf von Lizenzen für den internen Gebrauch ist schon ein Kostenfaktor gerade für kleinere IT-Häuser. Wie hoch dieser ausfällt? Ist schwer abzuschätzen, aber 1.000 Euro im Jahr kommt da leicht zusammen. Bei Gold-Partnern fällt der Betrag entsprechend höher aus, weil sie auch mehr bisherige Gratislizenzen nutzen können. Genau abschätzen lassen sich mögliche Mehrkosten ohnehin nicht, was auch daran liegt, dass Microsoft keine Details nennt.

Lediglich diesen Verweis gibt Microsoft seinen Partnern an die Hand: »Ab dem 1. Oktober 2019 gelten die mit Kompetenzen enthaltenen Produktlizenzen spezifisch für die von Ihnen erreichte Kompetenz. Bitte überprüfen Sie die Vorteile, die Sie mit Ihrer Kompetenz im Partner Center zum Zeitpunkt des Kaufs erhalten«.
Verwirrung stiftet zusätzlich die Aufkündigung des Produkt-Supports zum 1. August 2019, der in MAPS-Abos enthalten ist. Nur Gold- und Silber-Partner mit entsprechenden Kompetenzen, die vor dem 1. August 2019 erworben wurden, unterstützt Microsoft weiter im Rahmen eines abgeschlossenen MAPS-Abos mit Produktsupport, wie CRN in den USA berichtet.

Update, 10.7.2019
GF Michael S. schreibt per Mail an CRN: »Ich habe jetzt mal ausgerechnet, was ich – on premise – an MS überweisen muss (Kaufvariante). Selbst so eine kleine Firma wie die meine ist da bei ca. 16.000 EUR. Das sind 10 Jahre Mitgliedsgebühr als Partner.«

Sinn und Zweck kostenloser Demolizenzen ist es, dass sich Partner intensiv mit den Produkten von Microsoft beschäftigen. Erfahrungen aus erster Hand zu sammeln ist dringend nötig, um Kunden optimal beraten zu können. Aktualisierungen und Migrationen ohne Teststellungen können nicht durchgeführt werden. Die Fähigkeiten eines Partners sinken, Projekte richtig umzusetzen und Kundenerwartungen zu erfüllen, wenn aus Kostengründen sich nicht mehr alle Techniker eines Partners intensiv mit Microsoft-Produkten beschäftigen könnten.

Microsoft stärkt Wettbewerber
»Partner eines Herstellers« zu sein, darf nicht mit »Kunde sein« verwechselt werden. Ein Partner ist viel mehr, er ist nämlich Botschafter und Multiplikator seines Herstellers. Auf seinen Rat und seine Expertise verlassen sich Kunden. Er soll schließlich als »Trusted Advisor« fungieren, der von Produkten eines Herstellers selbst überzeugt ist und andere überzeugen kann. Man gewinnt keine Loyalität, indem man solche Partner nun zur Kasse bittet, und seien es auch nur kleine Summen für einen großen Konzern wie Microsoft. Im Gegenteil. Wettbewerber wie Google mit ihrer G Suite freuen sich über jede misslungene Hürde, die Microsoft in seinem Channel aufbaut.

Am deutschen Kunden und Partner vorbei
Es werde notwendig sein, Alternativen zu Microsoft aufzubauen, sagte unlängst ein Systemhaus-Geschäftsführer im CRN-Interview. Warum? Weil es immer noch sehr viele Kunden hierzulande gibt, die keine Cloud-Produkte und keine Abo-Modelle einsetzen wollen. Sei es aus Kostengründen, aus regulatorischen Bestimmungen oder weil sie viele gewachsene Infrastrukturen mit proprietären Applikationen haben, die einer Cloudifizierung im Wege stehen. Microsofts Entscheidung die IUR zu ändern, ist – wieder einmal – eine Entscheidung der US-Konzernspitze. Die Corp nimmt zu wenig Rücksicht auf die sehr unterschiedlichen Märkte außerhalb der USA.

Bitte keine Zwangsbeglückung!
Cloud First! Ganz klar, das Geschäftsmodell von Microsoft ist auf SaaS, IaaS und PaaS, auf Abo-Modell und verbauchsabhängige IT-Kosten ausgerichtet. Recurring-Revenue ist die neue Währung an der Börse. Aber: Nicht jeder Partner will und kann diese Richtung mitgehen. Vielen Resellern ist ein rascher Umstieg auf wiederkehrende Einnahmen und gemanagte IT nicht möglich. Das erfordert Investitionen, womöglich neues Personal, viel Kraft zum Umbau der Organisation. Warum das alles, wenn sich Resellig-Modelle, Leistungsabrechung nach Aufwand, Wartung bestehender Hardware-Systeme, Beschaffung und Installation nach wie vor rechnen? Müssen denn auch zehn-Mann-Systemhäuser oder noch kleinere Mittelständler auf immer komplizierter werdende Szenarien wie Hybrid-IT aufspringen? Kann nicht auch eine Nischenlösung, eine Branche oder wenige Kundenbeziehungen ein IT-Haus noch viele Jahre tragen?

Mit forcierten Maßnahmen wird man solche Partner kaum in die digitale Transformation zwingen können. Es heißt nun einmal »get big, get niche or get out«. Man sollte unabhängigen Unternehmern die Wahlfreiheit überlassen, welchen Weg sie für ihr Unternehmen einschlagen wollen. Wo Zwang nicht funktioniert, sollte man immer noch auf die Kraft der Überzeugung setzen. Und das können doch wahrlich viele Partnermanager von Microsoft.

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