Schwerpunkte

DSAG-Technologietage 2020

Steter Tropfen höhlt den Stein

27. Februar 2020, 11:02 Uhr   |  Natalie Lauer

Steter Tropfen höhlt den Stein
© DSAG

DSAG-Technologievorstand Steffen Pietsch während seiner Keynote auf den Technologietagen 2020

Bei Forderungen nach anwenderfreundlichen Verbesserungen erweist sich die SAP-Anwendergruppe(DSAG) als hartnäckig. Sie macht sich unter anderem für einheitliche Oberflächen und Integrationsmöglichkeiten stark. Auf den diesjährigen DSAG-Technologietagen stellte sie den Stand der Umsetzung jener vor.

Austragungsort der diesjährigen Technologietage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e.V. (DSAG) war das Congress Center Rosengarten in Mannheim. Vom 11. bis 12. Februar 2020 trafen sich dort 2.300 Teilnehmer, um unter dem Motto »Digitalisierung hat viele Seiten. Auf den richtigen Dreh kommt es an« über Ansätze und Strategien für ein erfolgreiches Digitalisierungsvorhaben sowie die damit verbundenen Anforderungen an SAP zu diskutieren. Wie wichtig es SAP war, Präsenz zu zeigen, belegt die Tatsache, dass sich Jürgen Müller, Chief Technology Officer und Vorstandsmitglied, nicht vom Orkan Sabine aufhalten ließ und mit dem Auto anreiste, nachdem seine Zugverbindung ausfiel.

DSAG Marco Lenck Vorstand
© DSAG

Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e.V. (DSAG)

Neben einer gut aufgestellten IT-Organisation sind das A und O auf der Digitalisierungsreise zweifellos geeignete Partner und Lösungen. Hinsichtlich SAP ließ Steffen Pietsch, DSAG-Technologievorstand, in diesem Zusammenhang die Stichwörter Harmonisierung, Integration, Qualität, Planungs- und Investitionssicherheit sowie Vertrauen fallen. Diese Kernanforderungen gelte es, in Hinblick auf die Digitalisierungsbestrebungen der Unternehmen nach wie vor zu erfüllen: Bereits im vergangenen Jahr wurde im Zuge des letzten DSAG-Jahreskongresses darauf massiv hingewiesen, so Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der SAP-Anwendervereinigung DSAG. Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe erweist sich in Sachen Umsetzung ihrer Forderungen jedoch zuversichtlich: »Bei SAP fand eine massive Umorganisation statt. Darüber hinaus teilt Christian Klein [Co-CEO von SAP] unsere Anliegen und hat entsprechende Maßnahmen im Unternehmen getroffen, um in diesem Jahr beispielsweise massiv in Richtung Integration, Harmonisierung von Standards hinzuarbeiten,« konstatiert Lenck. SAP hat bereits eine Roadmap aufgestellt. In wesentlichen Zügen soll das Ganze bis Ende diesen Jahres fertiggestellt sein. Ein ambitionierter Plan, findet Lenck.

Alles aus einem Guss
Der starke durch Zukäufe bedingte Zuwachs der SAP hat zu Brüchen zwischen den jeweiligen Lösungen geführt. In der Folge existiere keine »OneSAP-Experience«, bei der die Bedienoberfläche aus einem Guss ist. Das erschwere nicht nur die Anwendung der Lösungen signifikant, da hierdurch insbesondere die Intuitivität bei der Bedienung ungünstig beeinflusst werde. Darüber hinaus stelle dieser Umstand eine nicht zu unterschätzende Fehlerquelle dar. »Hier erwarten wir von SAP, dass die User-Experience produktübergreifend harmonisiert wird«, fordert Pietsch.

Zudem pocht die SAP-Anwendervereinigung auf Erweiterungs- und Entwicklungskonzepte, die durchgängig demselben Paradigma folgen. Es könne nicht im Sinne des Erfinders sein, dass sich Anwender bei einer durchgängigen Erweiterung eines End-to-End-Prozesses mit unterschiedlichen Konzepten befassen müssen, meint Lenck. Der Gebrauch verschiedener Technologie-Stacks und zugehöriger Konzepte fördere keine übergreifende Erweiterung von SAP-Lösungen. »Der Side-by-Side-Ansatz, das heißt die Erweiterung von SAP-Anwendungen mit Hilfe von Entwicklungswerkzeugen wie der SAP Cloud Platform, ist eine valide Option«, so Steffen Pietsch. »Das führt aber gleichzeitig dazu, dass die  Lösung, die es zu erweitern gilt, mit bestimmten die Integration betreffenden Qualitäten aufwarten muss«, hebt der Technologievorstand hervor. »Das ist heute leider noch nicht durchgängig der Fall. Hier muss SAP weiter investieren«, ergänzt Pietsch.

Nahtlose Integration
Digitalisierung steht und fällt mit der Integrationsfähigkeit von Software – auf technischer sowie semantischer Ebene. Da Drittanwendungen und Eigenentwicklungen nur mithilfe von Programmierschnittstellen auf Daten aus SAP-Systemen zugreifen können, müssen diese sowohl für Cloud- als auch für On-Premises-Lösungen geschaffen werden.

Der Softwarekonzern hat inzwischen die Existenz einer entsprechenden API-Strategie kundgetan. Laut Pietsch herrsche hier allerdings noch Optimierungsbedarf: »Die Qualität der Dokumentation und der Funktionsumfang müssen weiter ausgebaut werden. Zentrale Business-Objekte müssen vollumfänglich über APIs steuer- und nutzbar sein, damit SAP-Software sich nahtlos in die heterogenen Systemlandschaften der Kunden einfügt.« DSAG und SAP tauschen sich diesbezüglich bereits rege aus.

Was die Integration zweier oder mehrerer SAP-Lösungen auf semantischer Ebene (durch Kompatibilität der Datenmodelle) betrifft, hat SAP in Kooperation mit der DSAG eine Stammdateninitiative ins Leben gerufen. Der Fokus wird dort derzeit auf das Datenmodell »Business-Partner« gelegt, das unter anderem zur Abbildung von Kunden- und Lieferantendaten dient.  

Sichere Konfiguration
Die DSAG sprach die Forderung nach mehr Sicherheit im Namen der Anwender aus und rief SAP dazu auf, SAP-Software bereits im Auslieferungszustand sicher zu konfigurieren. Bei »SAP S/4HANA 1909« wurde dies inzwischen realisiert. »Das ist ein wichtiger Schritt. Jetzt muss dieses Konzept ausgebaut und auch auf andere SAP-Produkte ausgerollt werden«, erklärt Steffen Pietsch. Anders sieht es laut dem Technologievorstand der DSAG noch bei der Forderung nach einem übergreifenden Security-Dashboard mit sämtlichen sicherheitsrelevanten Aspekten sowohl für On-Premises-Produkte als auch für Cloud-Lösungen aus.
 
Planungs- und Investitionssicherheit
Neben einer stabilen und verfügbaren Software fordern Kunden im Vergleich zu bisherigen On-Premises-Lösungen Verbesserungen durch den Gang in die Cloud. Einige Cloud-Lösungen würden diesem Anspruch gerecht – aber nicht alle. Während die SAP Cloud Platform inzwischen diesbezüglich mustergültig glänze, hinkt laut Pietsch die Software-as-a-Service-Lösung für das Personalwesen »SuccessFactors« in puncto Verfügbarkeit noch hinterher.

Ebenso essenziell für die Planungs- und Investitionssicherheit sind nachvollziehbare Roadmaps. Dass sich auf diesem Gebiet etwas bei SAP bewegt belegen die Verlängerung der Mainstream-Wartung für die »Business Suite 7« bis 2027 mit einer kostenpflichtigen erweiterten Wartung bis 2030 sowie die Wartungszusage für »S/4HANA« bis 2040.

Vor dem Kongress ist nach dem Kongress
Die Planung für den DSAG-Jahreskongress 2020 ist schon in vollem Gange. Da davon auszugehen ist, dass die Unternehmen dann ihre eigenen Roadmaps für die Digitalisierung aufgestellt haben und die Botschaft der Bedeutung der Digitalisierung auf dem Markt durchgedrungen ist, steht der nächste Kongress ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit mit all ihren Facetten.

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