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Software von Lizengo, Lizenzfuchs, Edeka & Co unter der Lupe

Softwareschnäppchen: Zu schön, um wahr zu sein

04. September 2019, 16:25 Uhr   |  Lars Bube | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 8 .

Keine Lizenzüberprüfung gestattet

»Uns wurden 6.000 Lizenzen von Microsoft Office Pro Plus zu einem extrem günstigen Preis angeboten. Wir haben sie nicht gekauft, weil es sich um ein abgespaltenes Paket von einer erstmals in Kanada in Umlauf gebrachten Volumenlizenz handelte.« Björn
© Vendosoft

»Uns wurden 6.000 Lizenzen von Microsoft Office Pro Plus zu einem extrem günstigen Preis angeboten. Wir haben sie nicht gekauft, weil es sich um ein abgespaltenes Paket von einer erstmals in Kanada in Umlauf gebrachten Volumenlizenz handelte.« Björn Orth, Geschäftsführer Vendosoft

Weiter kommt man bei den Ungereimtheiten dieses Händlers indes, wenn man die Hinweise auf dem Lieferschein von Lizengo liest. Dort heißt es, man müsse die Produktschlüssel als »sensible Daten behandeln« und »keinesfalls unbefugten Personen oder Organisationen zugänglich« machen. Und weiter: »Auch Personen und Organisationen, die Lizenzüberprüfungen im Auftrag des Herstellers oder Dritter durchführen, sind unbefugt.« Im Klartext: Lizengo verbietet Kunden die Überprüfung einer rechtmäßigen Softwarenutzung durch Microsoft. Ganz ähnliche Bedingungen finden sich auch bei Lizenzfuchs.

Dass diese Hinweise nicht in den AGBs stehen, beziehungs-weise Lizengo und Lizenzfuchs dem Käufer diese wichtige Information erst nach dem Kauf von Software mitteilen, spricht aus unserer Sicht nicht gerade für ein seriöses Geschäftsgebaren. Inwieweit es auch rechtlich anfechtbar ist, wird sich erst noch zeigen müssen. Auf Käuferseite dürfte beim Durchlesen dieser ungewöhnlichen Vorgaben jedenfalls die Verunsicherung zunehmen, dass man möglicherweise lediglich einen Produktschlüssel und einen Download-Key gekauft hat, ein Nutzungsrecht an der Software aber nicht einmal überprüfen darf. Die Folgen daraus: Stellt sich heraus, dass ein Käufer eines Lizengo-Produkts kein Nutzungsrecht erwirbt, könnte Microsoft die Software jederzeit deaktivieren.

Hat man übrigens den Produktschlüssel zur Überprüfung einer rechtmäßigen Nutzung dennoch bei Microsoft eingereicht, »erfolgt kein Ersatz durch Lizengo«, heißt es auf dem Lieferschein. Auf Nachfrage dazu erhielten wir eine äußerst spannende Antwort, mit der die Verhältnisse kurzerhand umgedreht werden. Dieser zufolge steckt hinter dem fragwürdigen Überprüfungsverbot nicht etwa die Angst, dass etwas mit der eigenen Ware nicht stimmen könnte, sondern die Befürchtung, dass sich die Prüfer der Keys bemächtigen und sie durch eigene Nutzung, Weitergabe oder Verkauf missbrauchen könnten. Sollten sie dann wegen zu häufiger Nutzung gesperrt werden, könne man keinen Ersatz leisten. Eine reichlich krude Argumentation. Denn wer eine gültige Lizenz vorweisen kann, bekommt im unwahrscheinlichen Fall der Sperrung eines Aktivierungskeys von Microsoft selbst Ersatz gestellt.

Microsofts Produktidentifikationsdienst (PID) indes nährt nach einer Untersuchung der eingesendeten Keys und Unterlagen unserer Testkäufe bei Lizengo und Lizenzfuchs die Zweifel an der Ware und kommt zum Schluss: »Auch unter Berücksichtigung dessen, dass Erwerber einer so genannten ›gebrauchten‹ Kopie eines Computerprogramms unter bestimmten Voraussetzungen ein gesetzliches Recht zur Installation und Nutzung des Computerprogramms erlangen können (…) wird allein durch die vorgelegten Unterlagen und der übersandten Product Keys nicht belegt, dass Sie Rechte zur Nutzung des entsprechenden Computerprogramms erlangt haben.« Dem folgen genauere Erklärungen zu dieser für den Kunden beunruhigenden Einschätzung.

All das untermauert den Verdacht, dass die Kunden hier möglicherweise lediglich einen Schlüssel, aber keine gültige Lizenz mit entsprechenden Nutzungsrechten erwerben könnten.

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1. Softwareschnäppchen: Zu schön, um wahr zu sein
2. Follow the Rights
3. Wertloser Produktschlüssel
4. Wirklich alles neu bei Lizengo?
5. Betriebswirtschaftliche Magie
6. Volumenlizenzen verschwiegen
7. Neuware mit eingebauter Erschöpfung
8. Betrug? »Kann so ausgelegt werden«
9. Keine Lizenzüberprüfung gestattet
10. Lottosechser mit Zusatzzahl
11. Mehr Schein als gut
12. Aus dem Schneider?

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