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Abmahnen trotz Krise

Serienabmahner machen Online-Händlern das Leben schwer

17. Juni 2020, 10:48 Uhr   |  Michaela Wurm | Kommentar(e)

Serienabmahner machen Online-Händlern das Leben schwer
© DHL

Gerade in diesen für den Handel schwierigen Zeiten müssen sich die Shop-Betreiber mit einem weiteren existenzbedrohenden Problem auseinandersetzen: Serienabmahner sind aktiver denn je und mahnen selbst kleine Versäumnisse von Online-Händlern gnadenlos ab.

Der stationäre Handel ist von den Ausgangsbeschränkungen während der Corona-Krise ganz besonders hart betroffen. Bis vor Kurzem mussten fast alle stationären Geschäfte geschlossen bleiben. Und seit der Wiedereröffnung dürfen sie nur eine begrenzte Zahl von Kunden gleichzeitig in den Verkaufsraum lassen. Dazu kommen weitreichende Hygienevorschriften, etwa die Desinfektion der Einkaufswagen und Schutzvorrichtungen im Kassen- und Thekenbereich. All das verursacht hohe Kosten und ist vor allem für kleine Händler ohne ein weiteres Standbein existenzbedrohend.

Amazon und Co. sind die großen Gewinner
Deutlich besser kann sich der Online-Handel behaupten. Vor allem die Etail-Riesen wie Amazon gehören eindeutig zu den Profiteuren. Ein Vertrieb der Waren über einen Online-Shop scheint da das Mittel der Wahl, um halbwegs heil durch die Krise zu kommen. Kein Wunder, dass in den letzten Wochen zahlreiche Initiativen gestartet wurden, um stationären Händlern auch den Verkauf über das Internet zu ermöglichen. Auch CRN berichtete darüber, etwa über die Aktion »Händler helfen Händlern«, Ebay-Sonderkonditionen für Neueinsteiger und die DHL-Aktion »DHL lokal handeln«.

Letztere verspricht Geschäftsinhabern Hilfestellung bei der Frage, wie sie ihre Produkte online verfügbar machen und versenden können. Mit dabei sind einige große E-Commerce-Unternehmen wie Ebay und Zalando, die ihre Plattformen den Händlern zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellen. »Wir wollen mit ›DHL lokal handeln‹ den von der Corona-Krise gebeutelten Einzelhändlern vor Ort ganz konkret mit unseren Fähigkeiten helfen«, erklärte  Tobias Meyer, Konzernvorstand Post & Paket Deutschland der Deutsche Post DHL Group. »Viele wissen ganz einfach nicht, wie leicht es ist, seine Waren im Versandhandel an den Konsumenten zu bringen. Auch der Verkauf der Produkte über das Internet ist einfach umzusetzen, dank der Teilnahme und günstigen Konditionen renommierter Plattformbetreiber.«

Diese Aussagen brachten einen IT-Händler aus Berlin auf die Palme. Es grenze schon an blanken Hohn und Sarkasmus, was der Konzernvorstand von sich gebe. »Um die Existenz kämpfende und stark angeschlagene lokale Händler jetzt vollkommen unvorbereitet in den Dschungel des Online-Handels zu schicken – und mit keinem einzigen Wort auf die großen Mühen des rechtssicheren Aufbaus eines solchen Online Geschäftes hinzuweisen – ist in etwa so, wie Ihnen gratis den letzten Dolchstoß zu versetzen!«, so der Vorwurf des Händlers im Gespräch mit CRN. Für die von der Kampagne angesprochenen Händler könne das der sichere Weg in die Insolvenz sein, fürchtet er. Ohne zuvor über Monate sorgsam aufgebautes rechtliches Know-how und Fachwissen sei das Risiko für neue Marktteilnehmer immens. »Es ist nahezu unmöglich, rechtssicher innerhalb von wenigen Tagen und Wochen online als Marktteilnehmer zu agieren. Und die Abmahnvereine schlafen definitiv nicht. Gerade solche neuen kleinen unerfahrenen Händler sind jetzt ein gefundenes Fressen.«

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1. Serienabmahner machen Online-Händlern das Leben schwer
2. Serienabmahner aktiver denn je
3. Das fordern die Abmahner im Detail
4. Vorwürfe an den Gesetzgeber

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