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CRN-Interview zu gebrauchter Software

»Schmerzhaft und unerwartet für die Software-Hersteller«

18. März 2014, 16:47 Uhr   |  Lars Bube

»Schmerzhaft und unerwartet für die Software-Hersteller«

Geschäftsführer Peter Reiner und Walter Lang. (Bild: U-S-C)

Im Interview mit CRN erklären die beiden U-S-C Geschäftsführer Peter Reiner und Walter Lang, warum der gebrauchte Softwaremarkt aus ihrer Sicht nun sicher ist.

CRN: Wie bewerten Sie die Entscheidungen des EuGH und BGH aus den letzten zwei Jahren zum Weiterverkauf gebrauchter Software?

Peter Reiner: Zwei Entscheidungen brachten Bewegung in den Gebrauchtsoftwaremarkt: Die wichtigste war wohl die rechtliche Freigabe für den Weiterverkauf von Download-Software – schmerzhaft und unerwartet für die Software Hersteller.

Walter Lang: Sensationell auch die Entscheidung, dass Software weiterverkauft werden darf, selbst dann wenn es laut der AGBs der Software-Hersteller nicht erlaubt ist. Diese AGB-Regel wurde für nichtig erklärt und damit können auch komplette Volumenverträge rechtssicher verkauft werden.

CRN: Gibt es damit jetzt die gewünschte Sicherheit am Markt, oder wo sehen Sie noch Risiken und Unsicherheiten für Handel und Kunden?

Reiner: Das gibt sehr viel mehr Sicherheit und für uns als U-S-C ist das Urteil auch ausnahmslos positiv. Aber für einige Gebraucht-Software-Händler ist das Urteil im Nachklang sehr bitter. So wird gerne unter den Tisch gekehrt, dass der Weiterverkauf von „aufgespaltenen Volumen-Lizenzen“ ausdrücklich untersagt wurde. Ein Beispiel: Hat ein Kunde 1000 x Office Volumenlizenzen von Microsoft gekauft und betreibt diese wie allgemein üblich im Terminal-Server (Client-Server), dann kann er nicht einfach 200 davon abspalten und weiter verkaufen, da dann der Käufer bei der Installation dieser Office-Lizenzen eine unerlaubte Vervielfältigung vornehmen würde.

Bei uns erhalten sie daher nur vollständige Volumenlizenzen.

CRN: Was halten Sie von notariellen Testaten oder angeblich von Microsoft akzeptierten Mitteilungen zum Besitzerwechsel von Lizenzen?

Lang: Das BGH hat jetzt die Verwendung von Notartestaten als „nicht ausreichend“ bewertet und somit auf höchster Richterebene abgelehnt. Für einzelne Gebraucht-Software-Händler und deren Kunden eine weitere bittere Pille. Denn sie könnten rückwirkend große Probleme mit Microsoft bekommen.

CRN: Auf welche Weise versichern Sie ihren Kunden die Echtheit der Software?

Lang: Entscheidend ist das offizielle „Microsoft Lizenz Transferformular“, das alle Lizenzen auflistet, die transferiert werden, plus die dazugehörigen Keys bzw. dokumentiert, welcher komplette Lizenzvertrag mit Lizenznummer transferiert wird. Für eine zweifelsfreie Rechtsverbindlichkeit ist es besonders wichtig, dass dieses Formular direkt vom Vorbesitzer unterzeichnet ist. Oft wird dieses Übertragungsformular nur vom Händler unterzeichnet – was keine rechtsverbindliche Erklärung des Vorbesitzers ist, ebenso wenig wie eine Rechnung mit einem Key oder sonstige vermeintliche Bestätigungen! Nur dieses Formular mit der Original-Unterschrift des Vorbesitzers garantiert absolute Rechtssicherheit. Eigentlich ganz einfach.

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