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»Ohne Twitter wären wir verloren«

07. Januar 2020, 15:01 Uhr   |  Lars Bube | Kommentar(e)

»Ohne Twitter wären wir verloren«
© Comugnero Silvana - AdobeStock

In einem Interview hat US-Präsident Trump soziale Plattformen wie Twitter als wichtigstes Bollwerk gegen die »Lügen« der »korrupten Medien« bezeichnet. Eine durchaus entlarvende Sicht der Dinge.

Schon lange bevor Donald Trump Präsident der vereinigten Staaten wurde, war er dafür bekannt, die Welt gerne in Schwarz-Weiß-Schemata einzuteilen, die dem einfachen Prinzip folgen: für oder gegen Trump und seine Sicht der Dinge. Bei Bedarf betreibt er diese Spaltung zwischen den Lagern auch ganz bewusst und aktiv weiter, bis seine Seite die andere – völlig unabhängig von jeglichen Fakten – für Unglaubwürdig hält. Wahrscheinlich ist genau das auch Teil seines Erfolgsrezepts, mit dem er vor allem zahlreiche Wähler abholt, die sich mit ihrem ähnlich simplen Weltbild von keiner anderen Partei verstanden fühlen. Auch wenn seine politischen Entscheidungen gerade die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verlierer der letzten Jahrzehnte noch stärker gängelt, gibt er ihnen mit seiner Rhetorik dennoch das Gefühl, er mache sich mit ihnen gemein und erhebe sie und ihre Stimmen damit wieder zu einem wichtigen Teil der nach eigenem Gründungsmythos großartigsten Nation auf diesem Planeten. Populisten weltweit bewundern diesen erfolgreichen Spagat und springen nur allzu gerne auf diesen Zug auf, indem sie sich diese Methode des »Gaslighting« zunutze machen.

Neben dem internationalen Schauplatz, den er auf Amerika gegen den Rest der Welt (»America first«) reduziert, pflegt Trump diese Einteilung in Gut und Böse gerade auch hinsichtlich der Medien. Wer ihn aus seiner Sicht ausreichend würdigt, gehört zu den Glaubwürdigen, wer kritisch berichtet, verbreitet eben Fake News. Von Anfang an schoss Trump deshalb scharf gegen international anerkannte und unabhängige Qualitätsmedien wie die New York Times oder CNN, die es wagten, ihn, seine Handlungen und Worte zu hinterfragen oder gar kritisieren. Während es deshalb ohne Selbstverleugnung kaum möglich ist, aus dieser Ecke wieder herauszukommen, kann es in die andere Richtung ganz schnell gehen. Wie spontan man vom Liebling zum Feind werden kann, bekam im vergangenen Jahr Trumps ehemaliger Hof-Sender Fox News zu spüren, der bisher sehr gut mit und von ihm gelebt hatte. Per Twitter beendete er die scheinbare Musterbeziehung und verkündete, dass ab jetzt One American News Network (OAN) offiziell die Fackel seiner kruden Erkenntnisse in die Welt trägt.

Doch zum Start des neuen Jahres geht der POTUS im Wahlkampfmodus jetzt sogar noch einen Schritt weiter. In einem Interview mit dem konservativen Radiomoderator Rush Limbaugh erhob Trump kurzerhand die sozialen Medien zum Goldstandard der wahrheitsgetreuen Informationsverbreitung und –Beschaffung. Nur mit ihnen könne die Übermacht der »korrupten und unzuverlässigen Medien« klassischer Natur endlich gebrochen werden. »Ich denke, ohne Twitter wären wir verloren. Wir könnten die Wahrheit nicht mehr verbreiten«, so Trumps Einlassung.

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1. »Ohne Twitter wären wir verloren«
2. Die Freiheit der Andersdenkenden

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