Schwerpunkte

25 Milliarden Euro

Neue Corona-Hilfen für den Mittelstand

08. Juli 2020, 10:26 Uhr   |  Martin Fryba | Kommentar(e)

Neue Corona-Hilfen für den Mittelstand
© Pixel-Shot/AdobeStock

Firmen, aber auch Solo-Selbständige erhalten nun bis zu 150.000 Euro Überbrückungsgeld. Die Bundesregierung will verhindern, dass die Zahl der Insolvenzen drastisch steigt. Ist damit der »Flächenbrand im Mittelstand« nur hinausgezögert?

Am Mittwochvormittag stellt  Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier Details des neuen Corona-Hilfspakets vor. Voraussichtlich ab Freitag sollen Steuerberater von mittelständischen Firmen sowie Selbständigen die Anträge direkt auf der Webseite des  Bundeswirtschaftsministeriums für ihre Mandanten beantragen können.


Die Hilfen werden für den Zeitraum Juni bis August gezahlt, wenn die Antragssteller gravierende Umsatzeinbrüche aufgrund der Corona-Pandemie nachweisen können. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum  muss der Umsatzrückgang 60 Prozent betragen. Die Gelder werden als Zuschuss gezahlt und müssen nicht zurückgezahlt werden.


Antragsteller können die Mittel zur Deckung von Fixkosten wie Miete, Zinsen oder Leasingraten verwenden. Insgesamt stellt der Bund 25 Milliarden Euro Liquiditätshilfen zur Verfügung.


Galgenfrist für insolvenzreife Firmen
Die Bundesregierung will so einen Anstieg der Insolvenzen vermeiden. Bereits seit Frühjahr gilt das COVID-19-Insolvenz-Aussetzungsgesetz (COVinsAG). Der Gesetzgeber hatte damit die Plichten und persönliche Haftungsrisiken von Geschäftsführern rückwirkend für einen Zeitraum ab dem 1. März 2020 bis zum 30. September 2020 -  mit Option auf Verlängerung bis 31. März 2021 – ausgesetzt.

Demnach müssen Geschäftsführer nicht für eine Insolvenzverschleppung haften, wenn sie für ihr Unternehmen durch die Corona-Pandemie eigentlich Insolvenz anmelden müssten. Stellen Gläubiger einen Insolvenzantrag, müssen sie nachweisen, dass ein Insolvenzeröffnungsgrund bereits am 1.März 2020 vorgelegen habe.


Das COVinsAG könnte auch der Grund sein, warum sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr trotz der Corona-Krise sogar verringert hat – um über acht Prozent auf 8.900 Firmenpleiten.


Kommt nach dem Auslaufen des COVinsAG im Oktober, bzw. im April kommenden Jahres die böse Überraschung? Weil sich das Insolvenzgeschehen von der tatsächlichen wirtschaftlichen Situation der Unternehmen abgekoppelt habe, wie Volker Ulbricht, Hauptgeschäftsführer von Creditreform, meint. Laut Ulbricht rechnen Finanzexperten mit einem Anstieg der Insolvenzen von 20 Prozent.


Dies wäre dann tatsächlich der »Flächenbrand im Mittelstand«, den Ingram Micro Deutschland-Chef Alexander Maier im CRN-Interview andeutet.

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