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Nach CRN-Recherchen

Microsoft verklagt Lizengo

16. Oktober 2019, 12:29 Uhr   |  Lars Bube


Fortsetzung des Artikels von Teil 3 .

Mehrfachverkäufe und Lizenzen aus Absurdistan

Auch unter den Testkäufen der CRN fanden sich einige verdächtige Auffälligkeiten wie gleiche Keys
© CRN

Auch unter den Testkäufen der CRN fanden sich einige verdächtige Auffälligkeiten wie gleiche Keys

Wie uns Microsoft mitteilt, konnte das Unternehmen inzwischen einige der beim PID eingereichten Produkte von Lizengo genauer unter die Lupe nehmen und ihre Herkunft und Geschichte ermitteln. Die Ergebnisse sind teils haarsträubend und übertreffen die schlimmsten Befürchtungen. So stammen etwa mehrere von Kunden per Edeka-Gutscheinkarte erworbene und zur Überprüfung eingesendete Keys für »Office Home and Student 2016« laut PID ursprünglich aus dem OEM-Programm für China und dürfen damit weder neu noch gebraucht in Deutschland verkauft werden.

Noch drastischere Unregelmäßigkeiten gab es bei der Version »Office Standard 2016«. In mehreren Fällen ließen sich die hierfür von Lizengo an die Kunden übermittelten Keys laut Microsoft auf Volumenlizenzverträge mit Universitäten im Ausland zurückführen. Obwohl diese jeweils nur über eine Lizenz abgeschlossen worden waren, wurden einzelne solcher Keys nachweislich von Lizengo an mehrere verschiedene Kunden geliefert und teils mehr als fünfundzwanzig Mal aktiviert. Angesichts dessen verwundert es auch wenig, dass sich bei weiteren Recherchen des Herstellers herausstellte, dass die genannten Universitäten nichts von den auf ihren Namen laufenden Verträgen wussten.

Und auch hinter einigen von Lizengo gelieferten Keys für »Windows 10 Pro« verbargen sich ähnlich dubiose Herkunftsgeschichten. So gab es beispielsweise zwei Keys, die ursprünglich im Rahmen eines speziellen Lizenzprogramms für Bildungseinrichtungen an eine Universität in den USA vergeben worden waren. Damit hätten sie alleine schon aufgrund ihrer Herkunft selbst gebraucht nicht hierzulande weiterverkauft werden dürfen. Tatsächlich wurden jedoch auch diese Keys offenbar mehrfach gehandelt. Einer wurde laut Microsoft bereits neunmal, der andere siebenmal aktiviert.

Angesichts solch deutlicher Befunde darf man gespannt sein, was die Ermittlungen der Justiz und das anschließende Verfahren dazu ergeben. Für Lizengo könnte es damit bald nicht nur hinsichtlich der verbreiteten Unwahrheiten zu den angebotenen Produkten schwer werden, mit dem gegebenen Geschäftsmodell weiterhin Kunden zu finden. Und auch manchen Kunden könnte sein Geiz noch teuer zu stehen kommen. Vielleicht überdenkt ja auch Edeka angesichts der Klage von Microsoft doch noch seine Meinung zum Gutscheinpartner. Im September hatte uns das Handelsunternehmen auf unsere Fragen bezüglich der bei dem Angebot gefundenen Unregelmäßigkeiten noch geantwortet: »Das Angebot wird von unseren Kunden positiv angenommen.« Wir von der CRN werden jedenfalls weiter hart an dem Thema dran bleiben und Sie wie gewohnt umgehend und unabhängig über alle Neuigkeiten informieren.

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1. Microsoft verklagt Lizengo
2. Edeka: Wir lieben Katzen im Sack
3. Microsoft zieht gut aufmunitioniert vor Gericht
4. Mehrfachverkäufe und Lizenzen aus Absurdistan

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