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Microsoft lässt Originalsoftware beschlagnahmen

22. März 2012, 13:35 Uhr   |  Lars Bube

Microsoft lässt Originalsoftware beschlagnahmen

Microsofts PID-Abteilung rechnet sich offenbar gute Chancen aus, dem Gebrauchtsoftwarehändler softwarebilliger.de das Leben schwer zu machen. (Bild: FM2, Fotolia.de)

Wie Microsoft in einer Pressemitteilung eingesteht, hat man bei einem Gebrauchtsoftwarehändler in Berlin Datenträger mit Originalsoftware als vermeintliche Fälschungen beschlagnahmen lassen.

Im zähen Streit um gebrauchte Software sorgt Microsoft derzeit wieder einmal mit unkonventionellen bis unsportlichen Einwürfen für neue Turbulenzen. Der Softwaregigant warnt in einer Pressemitteilung seine Kunden vor dem Kauf gebrauchter Softwarepakete über den Betreiber des Shops softwarebilliger.de aus Berlin. Diese würden ein Risiko darstellen, da »über den Web-Shop www.softwarebilliger.de gefälschte Datenträger vertrieben« werden. Als wichtigsten Beleg führt Microsoft zunächst an, dass beim ehemaligen Betreiber des Shops »mehrere Tausend Datenträger gefälschter Microsoft Windows-Betriebssysteme sichergestellt« worden seien. Da nach dem Betreiberwechsel »erneut ein gefälschter Datenträger mit dem Computerprogramm „Microsoft Windows XP“ vertrieben« worden sein soll, hatte Microsoft auch gegen den neuen Inhaber, die TYR Holding GmbH, eine einstweilige Verfügung erwirkt und Strafantrag gestellt. Abseits des unbestrittenen Rechts gegen gefälschte Software vorzugehen, werden hier ein Fall mit vermeintlich tausenden und ein zweiter mit vermeintlich einem Datenträger etwas zu locker unter eine Decke gesteckt.

--- forum[x|Gebrauchtsoftware - Graumarkt oder Alternative?] ---Andererseits zeigt gerade das hartnäckige Fechten um Rechte, Verbote und ihre Gültigkeit, samt der beiderseitigen Überstilisierung jedes Urteils zu einer richtungsweisenden Entscheidung, dass in Wahrheit noch immer eine Menge Untiefen auf den Markt warten. Primär sind davon die Softwarehersteller, die Gebrauchtsoftwarehändler und die Juristen, Richter und Gesetzgeber selbst betroffen, die Business- und Endkunden wurden bislang meist fair aus den rechtlichen Duellen herausgehalten. Somit wirkt der Ton von Seiten Microsoft, über den Shop würden »gefälschte Datenträger« vertrieben doch wie ein recht scharfes Geschütz, das die Verunsicherung der Kunden als Munition nutzt. Dabei ist bisher noch nicht einmal sicher geklärt, ob und wie viele Datenträger von jedem der beiden Shopbetreiber überhaupt als »Fälschungen« im Marken- oder Urheberrechtlichen Sinne einzustufen sind.

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