Schwerpunkte

Kommentar: Lars, but not Least

Menschen, nicht Spiele, töten Menschen

18. Januar 2013, 14:42 Uhr   |  Lars Bube

Menschen, nicht Spiele, töten Menschen

Solange Kinder leichter an Waffen als an ein Überraschungsei kommen, darf man sich über ein gewisses Gefährdungspotential nicht wundern. (Bild: Sergii Figurnyi - fotolia.com)

Während Waffen vielen US-Bürgern noch immer als bestes Allheilmittel gegen Gewalt und Verbrechen gelten, hat der US-Kongress jetzt einen neuen alten Mitschuldigen des Schulmassakers von Newton ausgemacht: Digitale »Gewaltspiele«.

Gut einen Monat ist her, dass in der amerikanischen Kleinstadt Newtown ein 20 jähriger an seiner Schule 21 Mitschüler und sechs Lehrer hingerichtet hat. Seither wird in den Vereinigten Staaten wieder heftig über neue Waffengesetze debattiert. Präsident Obama hat diese Woche einen »weitreichenden« Gesetzes-Vorschlag zur Debatte gestellt, nach dem immerhin der Zugang zu vollautomatischen Sturmgewehren deutlich erschwert bis illegal würde. Einzig in New York, dem Bundestaat mit den strengsten Waffenkontrollregeln der USA, wurde jedoch bislang eine konkrete Verschärfung eingeführt. In anderen Bundesstaaten befinden sich hingegen weiterhin ganze Panzerarmeen, Artilleriegeschütze und ähnliche Kaliber unkontrollierter Anzahl in Privatbesitz. Dementsprechend brandet Obama in seinem Land auch eine große Welle des Widerstandes entgegen, der Lobbyverband National Rifle Association (NRA) mobilisiert zum Feldzug gegen die schärferen Kontrollen und fordert im Gegenzug lieber die Lehrer besser zu bewaffnen, als die Gesellschaft zu entwaffnen.

Vielleicht auch um etwas von dieser hitzigen Diskussion abzulenken, kam Präsident Obama jetzt im Kongress parallel und für einige völlig überraschend mit einem zweiten Vorschlag an, um solche Blutbäder in Zukunft zu vermeiden. Dabei ist die Diskussion so alt wie Schießereien an amerikanischen Schulen selbst: 10 Millionen Dollar werden vom Kongress als Sofortmaßnahme bereitgestellt, um die Auswirkungen von so genannten Gewaltspielen auf Jugendliche zu untersuchen, und welchen Beitrag sie zu solchen Taten liefern. Wieder einmal wird also die Frage aufgeworfen, ob das Spielen solcher Spiele Kinder zu Killern macht. Dabei gibt es weniges rund um das Thema Computerspiele, das so gut erforscht und widerlegt ist, wie genau diese alte Mär. Natürlich fördern entsprechende Killerspiele die Enthemmung, natürlich senken sie die Hemmschwelle den Abzug zu betätigen und gehören damit nicht in die Hände von Kindern, erst recht von psychisch schwer vorbelasteten. Allerdings jeweils nur als vergleichsweise kleiner Beitrag »on Top« bereits vorhandener, massiver Probleme, wie hinreichend bestätigt ist. Auch der Verband der Spielhersteller ESA freut sich deshalb regelrecht über diese Diskussion und unterstützt Obamas Vorschlag voll. Man erwarte, so die offizielle Begründung, dass das Ergebnis ein weiteres Mal klarstelle, wie gering der Einfluss der Spiele an solchen Taten im Vergleich zu allen bereits vorher angelegten Dispositionen ist. Danach bleibt den Verantwortlichen immerhin noch die Möglichkeit festzustellen, dass der Täter auch manchmal Heavy Metal und andere aggressive Musik gehört hat.

Seite 1 von 2

1. Menschen, nicht Spiele, töten Menschen
2. Der Kopf macht den Unterschied: US-Waffenverkäufe steigen rapide an

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Die meisten Gamer sind Abiturienten und Akademiker
Machen Computerspiele schlau und fit?
Studie: Der Teufelskreis der Gewalt
Marihuana und Gaming: Die perfekte Mischung gegen Alzheimer

Verwandte Artikel

Gaming