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Blechgesellen auf Jobsuche

Kündigungswelle im Roboter-Hotel

28. Januar 2019, 15:18 Uhr   |  Lars Bube

Kündigungswelle im Roboter-Hotel
© Henn-na Hotel

Die Empfangsroboter müssen sich von einigen ihrer digitalen Kollegen verabschieden

Das vor drei Jahren als Zukunftsprojekt eröffnete »Henn-na«-Hotel in Japan entlässt über 100 Roboter aus seinen Diensten. Die Blechgesellen sind schlicht zu unzuverlässig und nerven die Gäste und das menschliche Personal über Gebühr.

2015 wurde im technologieverliebten Japan unter weltweiter medialer Aufmerksamkeit das das »Henn-na«-Hotel eröffnet. Das Besondere an dem Gästehaus mit 100 Zimmern, das es auch ins Guinness Buch der Rekorde geschafft hat: es wird weitgehend von Robotern geführt und gepflegt. Fast 250 der Blechgesellen kümmern sich vom Check-in über den Gepäcktransport bis hin zur nächtlichen Essensbestellung um die Wünsche und das Wohl der Gäste. Zumindest theoretisch. Denn inzwischen hat sich herausgestellt, dass es wohl doch noch etwas zu früh für diese Zukunftsvision ist. Weil es immer wieder Probleme mit einigen der smarten Helferlein gibt und einige sich sogar als komplett nutzlos erwiesen haben, werden jetzt mehr als die Hälfte von ihnen entlassen.

Dafür haben sie auch so einiges getan. In besonderer Weise gilt das für den smarten Lautsprecher Chu-ri-chan. Der auf dem Nachttisch residierende digitale Assistent weckte etwa regelmäßig Gäste mitten in der Nacht mit Nachfragen auf, weil er ihr Schnarchen oder Seufzen im Schlaf als Kommando interpretiert hatte. Aber auch unter Tags erwies sich der digitale Helfer als ziemlich tumber Geselle, der ständig Aufgaben falsch interpretierte und auf Fragen der Gäste reichlich wirre Antworten lieferte. Nicht viel zuverlässiger waren auch die automatischen Gepäcktransporter. Immer wieder fuhren sie das Gepäck der Gäste in falsche Zimmer oder blieben auf dem Weg an Hindernissen stecken. Was in Umgebungen Lagerhäusern relativ gut funktioniert, scheint also noch nicht unbedingt für Hotelflure geeignet zu sein.

Immerhin haben sich auch einige andere Roboter als durchaus brauchbar erwiesen und dürfen bleiben. Dazu zählen etwa die elektromechanischen Dinosaurier und ihre Puppen-Kollegin am Empfang und ein Roboterarm zum Verladen von Gepäckstücken in Schließfächer. Das Management des Hotels bedauert die Entlassungen zwar, will aber weiterhin auf das Konzept setzen und sogar weitere Häuser eröffnen. Nur sollen die Vorstellungsgespräche für digitale Bewerber künftig deutlich gründlicher geführt werden und auch eine Testphase beinhalten.

Mit welchen Problemen die Besucher beispielsweise zu kämpfen hatten, zeigt dieses Video:

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