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Corona-App

»Jeder, der zusätzlich mitmacht, ist eine Hilfe«

28. Mai 2020, 10:43 Uhr   |  Martina Herzog, dpa | Kommentar(e)

»Jeder, der zusätzlich mitmacht, ist eine Hilfe«
© georgejmclittle - AdobeStock

Während SAP und die Deutsche Telekom an der technischen Umsetzung arbeiten, geht die Diskussion um Nutzen und Gefahren der geplanten Corona-Warn-App weiter. Die Bundesregierung hält die App für sinnvoll - auch, wenn nur wenige Menschen sie verwenden.

Die geplante Corona-Warn-App wäre nach Einschätzung der Bundesregierung auch bei vergleichsweise wenig Nutzern sinnvoll. »Je mehr Menschen da mitmachen, desto nützlicher wird sie sein«, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Mittwoch in Berlin. »Das ist aber nicht so, dass sie gar nichts bringt, wenn nur wenige mitmachen. Sondern jeder, der zusätzlich mitmacht, ist eine Hilfe, um Kontaktketten nachzuverfolgen.«

Eine Corona-App für Smartphones wird seit März diskutiert. Mittlerweile entwickeln die Unternehmen Deutsche Telekom und SAP das technische Konzept für die Bundesregierung. Die Corona-App soll helfen, Ansteckungen nachzuverfolgen, wenn die Ausgehbeschränkungen gelockert werden. Sie soll anonymisiert erfassen, welche Smartphones einander nahegekommen sind - und Nutzer warnen, wenn sich herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufgehalten haben. Wenn ein Nutzer seine bestätigte Infektion in der App meldet, werden Personen benachrichtigt, die in den vergangenen Tagen seinen Schlüssel empfangen haben.

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) sagte im RTL-Mittagsjournal »Punkt 12«, die Einführung habe Zeit gebraucht, weil man auf die Bereitstellung der technischen Schnittstellen durch Apple und Google gewartet habe. »Die Schnittstellen sind jetzt da und deswegen können wir zügig fertig entwickeln. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir das bis Mitte Juni schaffen.«

An diesem Freitag will Braun bei einer Videokonferenz über die App berichten und dafür werben, wie Demmer sagte. Zuvor hatte die »Bild«-Zeitung über ein Einladungsschreiben an Verbände und Gewerkschaften dazu berichtet.

Wissenschaftler der Universität Oxford hatten im April in einer von vielen Experten anerkannten Studie geschrieben, dass eine solche App erst bei 60 Prozent Beteiligung voll wirksam sei. »Unsere Modelle zeigen, dass wir die Epidemie stoppen können, wenn etwa 60 Prozent der Bevölkerung die App verwenden«, schrieb Professor Christophe Fraser. Auf so einen hohen Prozentsatz kommt in Deutschland nach Schätzungen von Marktforschern aber nur WhatsApp, sonst keine andere Anwendung. Fraser rechnet aber auch bei einer geringeren Quote mit positiven Effekten. »Selbst bei einer geringeren Anzahl von App-Benutzern rechnen wir immer noch mit einer Verringerung der Zahl der Coronavirus-Fälle und der Todesfälle.«

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