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Mit Digitalisierung gegen die Überalterung

Japan setzt auf Roboter und KI

18. März 2019, 11:05 Uhr   |  Lars Bube

Japan setzt auf Roboter und KI
© M.Dörr & M.Frommherz - AdobeStock

Während Künstliche Intelligenz und Roboter in den meisten Ländern vorwiegend als industrielles Thema betrachtet werden, will Japan damit auch sein größtes gesellschaftliches Problem lösen: Die Überalterung der Bevölkerung.

Japan setzt angesichts seiner rasant alternden Gesellschaft bei der Pflege verstärkt auf Roboter und Künstliche Intelligenz. Lange Zeit standen einfache Roboter, die Pflegekräfte bei der Versorgung alter Menschen unter die Arme greifen, im Fokus der Entwickler. Nun will die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt die Spannbreite der Einsatzmöglichkeiten erweitern. »Der Markt wächst, wir sehen ein wachsendes Interesse«, erklärte Aiko Takigawa, Managerin bei »Medtec«, Asiens größter Messe für medizinische Geräte und Pflegeroboter, die am Montag in Tokio begann.

Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr keine zweibeinigen Humanoide, sondern Themen wie Künstliche Intelligenz und technische Lösungsansätze im Bereich des gesamten medizinischen Sektors. Die Überalterung der Gesellschaft, die in Japan so rasant verläuft wie in keinem anderen Industrieland, führt schon jetzt zu einem Mangel an Arbeitskräften. Das betrifft insbesondere den Pflegesektor. Nach jüngsten Schätzungen der Regierung in Tokio werden in der Pflegebranche bis zum Jahr 2025 rund 370.000 Arbeitskräfte fehlen.

Zwar will Japan verstärkt Ausländer ins Land holen, aber Experten zufolge reicht diese Maßnahme bei weitem nicht aus. Japans alternde Bevölkerung erfordere mehr Investitionen in Technologien wie Künstliche Intelligenz und Roboter, heißt es in einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Regierung. Japan ist zwar der größte Produzent von Industrierobotern der Welt. Bei der Zahl an Roboter- Herstellern für den Dienstleistungssektor hinkte das Land im vergangenen Jahr jedoch hinter den USA und Deutschland hinterher, so die führende japanische Wirtschaftszeitung »Nikkei«.

Japans Roboterindustrie mangele es an Risikokapital, hieß es. Unter den fünf größten Märkten für Dienstleistungsroboter habe Japan den kleinsten Anteil an Startup-Unternehmen, beklagte die »Nikkei« weiter. Nach Schätzungen der New Energy and Industrial Technology Development Organization, einem staatlich gestützten Think Tank, dürfte der Markt für Roboter in Japans Dienstleistungssektor auf 4,9 Billionen Yen (44 Mrd Euro) wachsen, nach 373 Milliarden Yen im Jahr 2015.

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