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Bechtle-Chef Thomas Olemotz im CRN-Interview

»Ich leide fast physisch«

09. März 2016, 17:57 Uhr   |  Martin Fryba | Kommentar(e)

»Ich leide fast physisch«

Rekordzahlen, das dritte Jahr infolge: Die Bilanz des Bechtle-Chefs lässt sich sehen

Bechtle-Vorstände denken in Dekaden, legen Rekordzahlen vor und ärgern sich, dass der Markt über andere Innovatoren spricht. Weniger Bodenhaftung und gelegentliche Lautsprechereinsätze könnten helfen, das schwäbische Selbstbewusstsein nach Draußen zu tragen.

CRN: Ihr Unternehmen feierte sich kürzlich in Heilbronn: Eine Konfettimaschine wurde angeschmissen, es wurde gehashtagt (#zukunftsstark), 1.200 Mitarbeiter in Bechtle-grün getaucht. Ist die schwäbisch-bodenständige Bechtle-Bescheidenheit nun vorbei?

Thomas Olemotz: Keine Sorge, Bechtle wird nicht zum Lautsprecher der Branche mutieren. Wir haben unsere Strategietagung dazu genutzt, uns bei vielen Mitarbeitern für ein tolles Jahr zu bedanken. Und wir haben ganz bewusst die Marke »Bechtle« in einer größeren Öffentlichkeit so bespielt, wie man das heute als modernes, offenes Unternehmen tut. Da gehört die Kommunikation über Soziale Medien dazu. Unser Auftritt hat bei Mitarbeitern in der Tat die Frage aufgeworfen, ob unsere Werte, unser Markenkern, wozu Bodenständigkeit gehört, denn nun ersetzt wird. Nein, so ist das aber nicht. Im Übrigen gehört auch Begeisterungsfähigkeit zu unserem Wertekanon, und das wir begeistern können, haben wir mit dem Event unter Beweis gestellt.

CRN: Sie erreichen mit einem solchen Großevent nicht einmal jeden fünften der 7.200 Bechtle-Mitarbeiter.

Olemotz: 1.200 Markenbotschafter haben wir schon gewonnen, über Soziale Medien erreichen wir – sicher nicht alle –aber doch schon viel mehr. Unser Markenprojekt werden wir jetzt kaskadenförmig ausrollen und mit den Zukunftsthemen wie Cloud Computing, Security, Datacenter, Virtualisierung und darüber den alles überragenden Aspekt Digitalisierung verbinden.

CRN: Bechtle ist nicht als Vorhut für Innovationen bekannt. Umso mehr überraschte uns die Gründung eines Industrie 4.0 Collaboration Lab, das Bechtle mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und dem Forschungszentrum Informatik (FZI) betreibt. Wird Bechtle mutiger?

Olemotz: Wir haben noch viel mehr getan. Industrie 4.0 ist ein wichtiges Zukunftsthema, das wir schon im letzten Geschäftsbericht hervorgehoben haben. Heute würde ich Industrie 4.0 – was ja so nur in Deutschland als Begriff bekannt ist – eine Stufe höher ansetzten. Eigentlich geht es um Digitalisierung, mit der wir uns intensiv befassen. Bechtle ist auch Gründungsgesellschafter des Venture Fonds Accel 4.0. Gemeinsam mit fünf Unternehmen aus der Region Heilbronn, unter anderem die Wittgenstein Gruppe und Komet Group, unterstützen wir Start-ups in der Region. Nicht nur mit Kapital, sondern coachen junge Firmen, die über die Seed-Phase hinaus bereits digitale Lösungen entwickelt haben. Wir wollen mehr darüber erfahren, welche Produkte auf das Thema Digitalisierung einzahlen. Ich schließe dabei nicht aus, dass wir interessante Investments für Bechtle identifizieren. Der Fonds lässt Übernahmen ausdrücklich zu.

CRN: Die brauchen Sie auch dringend. Denn rein organisches Wachstum hilft Bechtle nicht, den angepeilten Umsatz von fünf Milliarden Euro 2020 zu schaffen. Zukäufe tätigen derzeit andere, wann schlägt Bechtle mit größeren Akquisitionen wieder zu?

Olemotz: Rein rechnerisch haben Sie Recht. In den letzten beiden Jahren war Bechtle bei Akquisitionen eher verhalten, wir haben uns punktuell in Wachstumsfeldern aber sehr wohl verstärkt. Doch die gute Konjunktur, das billige Geld und viel Anlagekapital haben die Preise für Unternehmen in die Höhe getrieben. Es sind keine Käufer-Zeiten, viele Akquisitionen rechnen sich nicht. Abgesehen davon, dass wir natürlich am Umsatzziel von fünf Milliarden Euro festhalten, wollen wir weiter profitabel wachsen. Ich möchte unsere Vision 2020 nicht relativieren, aber uns ist höheres Wachstum als der Markt und vor allem profitables Wachstum mit einer Marge von fünf Prozent wichtiger als die reine Zahl von fünf Milliarden Umsatz. Warum? Um ein stabiles Unternehmen zu bleiben, in neue Themen zu investieren, die Zukunft aktiv zu gestalten brauchen wir fünf Prozent Marge.

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