Schwerpunkte

CRN-Interview mit Michael Helms

Gezielte Verunsicherung als Problem

08. März 2016, 16:45 Uhr   |  Lars Bube

Gezielte Verunsicherung als Problem

Michael Helms ist Vorstand der Soft & Cloud AG

Michael Helms, Vorstand der Soft & Cloud AG, schätzt das Umsatzpotenzial für gebrauchte Software in Deutschland im Interview mit CRN auf rund 360 Millionen Euro jährlich und kritisiert den »Abwehrkampf der großen Softwarenanbieter«.

CRN: Herr Helms, wie hat sich Ihr Unternehmen im vergangenen Jahr entwickelt und in welchen europäischen Märkten ist gebrauchte Software besonders gefragt?
Helms: Im Jahr 2015 haben wir den Umsatz gegenüber dem Vorjahr verdreifacht. So haben wir insgesamt 109.481 gebrauchte Softwarelizenzen von Microsoft für 6,1 Millionen Euro verkauft. Deutschland ist in Europa der größte und am weitesten entwickelte Markt, gefolgt von Österreich, der Schweiz, Frankreich, Spanien und den Niederlanden. In Belgien, Dänemark und Schweden haben im letzten Jahr wir zum ersten Mal überhaupt Lizenzen verkauft.
Unser Ziel für 2016 ist es, die Position auf diesen Märkten weiter auszubauen und damit insgesamt ein Wachstum von über 50 Prozent zu realisieren.

CRN: Inwieweit spiegelt dieses Wachstum auch den Gesamtmarkt wieder?
Helms: Der Gesamtmarkt wächst aktuell um ca. 20 Prozent pro Jahr. Ich schätze das derzeitige Volumen in Deutschland auf etwa 18 Millionen Euro. Damit ist nur ein Bruchteil des möglichen Gesamtpotenzials erschöpft, das ich bei 360 Millionen Euro ansiedele.
Dass die Entwicklung des Marktes noch nicht weiter fortgeschritten ist, liegt hauptsächlich am hartnäckigen Abwehrkampf der großen Softwarenanbieter. Nachdem die letzten juristischen Entscheidungen durch EuGH und BGH allesamt zu Ungunsten der Hersteller gefallen sind, wird auf anderen Feldern weitergekämpft. Häufig wird die eindeutige Rechtslage zu gebrauchter Software von einzelnen Mitarbeitern von Microsoft völlig ignoriert, verdreht oder einfach komplett falsch dargestellt. Das suggeriert möglichen Kunden dann, dass sie beim Kauf gebrauchter Lizenzen außergewöhnliche Risiken eingehen würden, was aber schlichtweg nicht stimmt, wenn man bei einem seriösen Händler kauft.

Seite 1 von 4

1. Gezielte Verunsicherung als Problem
2. Schwarze Schafe wird es immer geben
3. Reseller haben den Markt lange unterschätzt
4. Gebrauchtes Windows 10 wird erst in zwei Jahren interessant

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Verwandte Artikel

Gebrauchte Hard- und Software

Fachhandel

Asset- und Lizenzmanagement