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Corona-Krise

Einzelhandel schwer getroffen

18. Mai 2020, 15:40 Uhr   |  Erich Reimann und Holger Göpel, dpa

Einzelhandel schwer getroffen
© gpointstudio / Fotolia

Ladengeschäfte dürfen aufatmen: Die Zwangspause durch Corona ist für die meisten vorbei. Doch die Verbraucher sind noch zurückhaltend. Viele Händler befürchten jetzt weitere Umsatzrückgänge oder sogar die Insolvenz.

Fast alle Einzelhändler und viele Gastronomen in Deutschland haben wieder geöffnet, doch das gewohnte Leben kehrt nur langsam wieder in die Innenstädte zurück. »Die Kunden sind beim Einkaufen in diesen Tagen eher zurückhaltend unterwegs«, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, der Deutschen Presse-Agentur. »Der Einkaufsbummel mit Spontankäufen hat Seltenheitswert.«

Gestützt wird diese Einschätzung von Zahlen des auf die Messung von Kundenfrequenzen in den Innenstädten spezialisierten Unternehmens Hystreet. Demnach lagen die Besucherzahlen in wichtigen Einkaufsstraßen in München, Hamburg, Köln, Leipzig und Stuttgart auch in der abgelaufenen Woche noch deutlich unter dem vor Corona normalen Niveau. Am besten schnitt unter den fünf untersuchten Städten noch Hamburg ab, wo auf der Spitalerstraße zwischen Montag und Donnerstag immerhin wieder 53 Prozent der »normalen« Passantenfrequenz erreicht wurden. Zum Vergleich: In der sonst gerade bei Touristen sehr beliebten Neuhauser Straße in München waren es nur 42 Prozent.

Für Genth ist die Zurückhaltung der Verbraucher nicht verwunderlich. »Eine Ursache dafür sind sicherlich die Rahmenbedingungen mit Abstands- und Hygieneregeln, die ein entspanntes Shopping-Erlebnis erschweren«, sagte der Branchenkenner. Darüber hinaus sparten viele Kunden ihr Geld lieber, weil sie die schwierige gesamtwirtschaftliche Lage auch mit Blick auf den eigenen Arbeitsplatz verunsichere.

Doch nicht nur die Besucherzahlen in den Innenstädten liegen unter dem Normalniveau, sondern wohl auch die Umsätze in vielen Geschäften. Axel Augustin vom Handelsverband Textil geht davon aus, dass die Umsätze in der Modebranche in dieser Woche 20 bis 30 Prozent niedriger sein dürften als normalerweise.

Wer bereits vor der Corona-Krise Probleme hatte, dürfte solche Rückgänge - wenn überhaupt - ohne harte Einschnitte geschäftlich kaum überleben. Zum Wochenende waren Überlegungen zur Schließung zahlreicher Standorte des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof bekanntgeworden. Demnach könnten bis zu 80 der derzeit noch gut 170 Filialen des Unternehmens bei der anstehenden Sanierung schließen.

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