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Frauenberufe besonders gefährdet

Digitalisierung fördert die Diskriminierung

19. März 2019, 18:26 Uhr   |  Lars Bube

Digitalisierung fördert die Diskriminierung
© Minerva Studio - AdobeStock

Die Digitalisierung gefährdet typische Arbeitsplätze von Frauen besonders stark

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Frauen überdurchschnittlich gefährdet sind, ihren Arbeitsplatz durch die Digitalisierung und Automatisierung zu verlieren. Insbesondere gilt das ausgerechnet für Frauen in den mittleren Einkommensbereichen.

Die Digitalisierung könnte viele mühsam errungene Fortschritte der Gleichberechtigungsbewegung wieder zunichtemachen. Das legt zumindest eine jetzt veröffentlichte Studie des amerikanischen Institute for Women's Policy Research (IWPR) nahe. Darin verknüpften die Autorinnen unter anderem ein Raster, das die Wahrscheinlichkeit beschreibt, mit der bestimmte Arbeiten künftig durch Software erledigt werden können, mit aktuellen statistischen Daten zur Genderquote und den Angestelltenzahlen in diesen Berufen in den USA. Mit erschütterndem Ergebnis. Denn obwohl sie weniger als die Hälfte der aktiven Arbeitskräfte stellen, haben Frauen demnach ein deutlich größeres Risiko, durch künstliche Intelligenz, Roboter und andere Technologien ersetzt zu werden. Insgesamt sitzen auf 58 Prozent der Arbeitsplätze, deren Abschaffung als wahrscheinlich gilt, Frauen.

Wie das kommt, zeigt ein Blick auf die Liste der gefährdeten Arbeitsplätze, in der einige typische Frauenberufe ganz vorne stehen. Dazu zählen etwa Sekretärs- und Assistenz-Positionen, bei denen laut der Studie zu 92 Prozent davon ausgegangen werden kann, dass sie künftig durch Rechner und Softwarelösungen ersetzt werden. Gleichzeitig sind jedoch knapp 95 Prozent der rund 3,2 Millionen Beschäftigten in diesem Bereich weiblich. Ähnlich schlecht sieht es auch für Bürokauffrauen und Kassiererinnen aus. Diese zu rund 80 Prozent mit Frauen besetzen Positionen werden laut der Studie mit einer Wahrscheinlichkeit von über 96 Prozent künftig von Rechnern erledigt. Das höchste Risiko haben mit 98 Prozent Angestellte in den Gebieten Buchhaltung und Rechnungswesen sowie Revisionsfachkräfte. 87 Prozent der Arbeitskräfte in diesen Bereichen sind in den USA derzeit weiblich.

Damit drohen vor allem jene Frauen ihre Jobs zu verlieren, die ein mittleres Einkommensniveau haben und sich damit einer hohen finanziellen Unabhängigkeit erfreuen. Kaum Sorgen machen müssen sich hingegen die ebenfalls überdurchschnittlich vielen Frauen in – noch immer viel zu schlecht bezahlten und angesehenen – sozialen Berufen wie Lehrerinnen, Erzieherinnen, Krankenschwestern und Pflegerinnen. Damit droht die Gender-Paygap wieder erheblich größer zu werden.

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