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Systemhäuser im Wandel

Digitale Transformation: Balanceakt zwischen den Stühlen

26. April 2017, 10:53 Uhr   |  Martin Fryba

Digitale Transformation: Balanceakt zwischen den Stühlen

Sieht jetzt den richtigen Zeitpunkt gekommen, dass Standard-Technologien für Cloudservices investitionssicher und damit nachhaltig sind: Bechtle-Vorstand Michael Guschlbauer

Die Augen vor den Herausforderungen der digitalen Transformation zu verschließen führt ebenso in die Sackgasse wie der radikaler Bruch mit dem traditionellen Geschäft. Der goldene Mittelweg kann die richtige Antwort auf den rasanten Wandel im Systemhausgeschäft sein.

Selten »sprengen« Firmenchefs ihr eigenes Unternehmen »in die Luft«, wie das Frank Roebers, Chef der Systemhauskooperation iTeam seinen Mitgliedern rät (CRN berichtete). Natürlich ist dieses radikale Business Pivot nicht wörtlich zu nehmen. Roebers versteht sich auf pointierte Statements, die mehr als Weckruf denn als konkrete Handlungsaufforderung aufzufassen sind. Dennoch ist es angesichts der rasant fortschreitenden digitalen Transformation fünf vor zwölf, denn Systemhäuser müssen Wege in neue Modelle der IT-Bereitstellung finden, wenn sie zukunftsfähig bleiben wollen. Radikal altes Wissen über Bord werfen, sozusagen auf der grünen Wiese als Managed Service Provider neu anfangen, wie es Roebers empfiehlt, wäre dann doch zu viel der Disruption. Neue Technologien im Zusammenhang mit Cloud Computing haben ohne Zweifel das Potenzial, bestehende Produkte und Dienstleistungen obsolet zu machen. Das traditionelle Systemhausgeschäft werden sie dennoch nicht vollständig ersetzen.

»Gesunde Portion Gelassenheit«
Vielmehr dürfte beim Umbau von Geschäftsmodellen eine andere viel zitierte Strategie aus der klassischen Unternehmensberatung gelten: Das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. Oder, um es mit den Worten des Marktführers unter den deutschen Systemhäusern zu sagen: Einen Balanceakt zwischen Erfahrung und Mut bewältigen. So steht es im aktuellen Geschäftsbericht von Bechtle.

Einen Business Pivot können sich Startups leisten. Etablierte Player wie Bechtle oder die vielen mittelständischen Systemhäuser mit einer breiten Kundenbasis müssen keine komplette Kehrtwende vollziehen. Die Disruption bei Bechtle liegt mehr als drei Jahrzehnte zurück. Kunden hatten die von Gründer Ralf Klenk programmierte Software für Schraubenberechnungen verschmäht, aber höchstes Interesse an den hierfür benötigten Personal Computer gezeigt. Die Grundlage für das heutige europaweite Milliardengeschäft im IT-Handel war gelegt, die Basis für eine in Deutschland flächendeckende Präsenz als IT-Dienstleister gelegt. Mit dem Aufbau zentraler Managed Services, Privat Clouds und schon bald eines Marktplatzes für Public Clouds (CRN berichtete) wandelt sich Bechtle gerade zu einem Multi-Cloud-Service-Anbieter, »ohne dabei unser angestammtes Geschäft rund um IT-Infrastruktur und IT-Architektur zu vernachlässigen«, betont CEO Thomas Olemotz. Die Zukunft liege darin, Kontinuität und Veränderung im Gleichgewicht zu halten, sagt der Vorstandsvorsitzende und fordert angesichts inflationärer Technologiehypes eine »gesunde Portion Gelassenheit«.

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1. Digitale Transformation: Balanceakt zwischen den Stühlen
2. Weitverbreitete ­Irrtümer
3. Transformation teuer erkauft

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