Schwerpunkte

Hungerlöhne, Retouren, Wegwerfmentalität

Die Seiteneffekte des Online-Handels

12. Februar 2020, 07:00 Uhr   |  Larissa Schwedes, dpa

Die Seiteneffekte des Online-Handels
© Daniel Ernst - Fotolia

Der Online-Handel boomt. Und das wird vermutlich erstmal so weitergehen. Davon profitiert auch die Paketbranche. Doch nicht alles ist eitel Sonnenschein.

Für die Paketbranche ist der boomende Online-Handel ein dankbarer Trend, der die Umsätze weiter wachsen lässt. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die Dienstleister in Deutschland 18,78 Milliarden Euro, zeigen Zahlen der Bundesnetzagentur, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Die Tendenz ist seit Jahren steigend: 2018 lagen die Gesamterlöse noch bei 17,66 Milliarden Euro. Den größten Zuwachs gibt es bei Paketen. Express- und Kurierlieferungen, die auch in den Umsatz einfließen, stagnieren weitgehend auf ähnlichem Niveau. Marktbeherrschend in der Branche ist die Deutsche Post mit einem Anteil von rund 70 Prozent. Wettbewerber sind Hermes, UPS oder DPD.

Kleidung, Elektrogeräte, Zimmerpflanzen oder auch Lebensmittel - mittlerweile lassen sich fast alle Waren des täglichen Lebens online bestellen. Und davon machen die Menschen kräftig Gebrauch: Im vergangenen Jahr bestellten Verbraucher Waren und Dienstleistungen im Wert von 94 Milliarden Euro und damit rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr, wie aus Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel hervorgeht.

Die Krux an der Sache: Immer mehr Pakete erfordern auch immer mehr Zusteller. »Schon seit längerem ist der Arbeitsmarkt zunehmend leer gefegt«, stellt Verdi-Sprecher Jan Jurczyk fest. »Um Leute rekrutieren zu können, müssen Dienstleister stärker unternehmerisch tätig werden und ihnen verlässliche Arbeitsplätze bieten.« Zu viele Unternehmen setzten immer noch auf Subunternehmer, die ihren Angestellten keine tarifliche Absicherung bereitstellten.

»Die Beschäftigten werden für ihre harte Arbeit mit Hungerlöhnen abgespeist und durch immer längere Subunternehmerketten entziehen sich die Paketunternehmen ihrer Verantwortung«, kritisierte auch Linken-Bundestagsabgeordnete Susanne Ferschl. »Damit muss Schluss sein.« Es brauche eine lückenlose Nachunternehmerhaftung und stärkere Kontrollen, um Schwarzarbeit aufzudecken.

Ein weiteres Problem der Branche ist die Masse an Retouren. Viele Bestellungen gefallen den Kunden vor Ort doch nicht und gehen zurück. Fast 20 Millionen dieser Retouren landen einer Studie der Universität Bamberg zufolge im Müll - das sind zwar nur rund vier Prozent der gesamten Retouren, aber dennoch viel.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will das mit einer Gesetzesreform ändern, die am Mittwoch im Kabinett beschlossen werden soll. «In Teilen des Onlinehandels grassiert derzeit eine regelrechte Wegwerfmentalität», sagte Schulze der »Bild am Sonntag«. »Dagegen schieben wir nun einen Riegel vor und werden die Vernichtung neuwertiger, voll funktionsfähiger Ware untersagen.«

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