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CRN-Interview mit Dirk Walkowiak von C4B

»Die Messlatte ist der Kundennutzen«

09. Juni 2017, 15:15 Uhr   |  Andreas Dumont

»Die Messlatte ist der Kundennutzen«
© C4B Com For Business AF

Dirk Walkowiak, Director Software Development bei C4B

Weniger planen, mehr ausprobieren, und sich im Zweifelsfall auch mal eingestehen, dass eine Idee vielleicht doch nicht so brillant war, das ist das Erfolgsrezept für Dirk Walkowiak, Director Software Development bei C4B.

CRN: Was sind aktuelle Trends in der Software-Entwicklung?

Dirk Walkowiak: Für unsere Arbeit spielen weniger aktuelle und vielleicht kurzlebige Trends eine Rolle, sondern vielmehr das brisante Spannungsfeld zwischen zwei alten Bekannten: Software-Architektur und Agile Softwareentwicklung. Die Architekturen müssen erweiterbar, wartbar, skalierbar und sicher sein. Währenddessen muss die Entwicklung permanent Nutzen erzeugen. Beides zusammen soll dem Konsumenten schnell zur Verfügung gestellt werden. Hier kommt DevOps ins Spiel – man findet dafür auch die Begriffe Continuous Integration & Delivery. Die Herausforderung besteht darin, die beiden konträren Welten zu vereinen: Neue Features sollen in kurzen Abständen verfügbar gemacht werden, dürfen dabei aber keinesfalls das Gesamtsystem destabilisieren. Damit das gelingt, müssen Software-Architekten, Entwickler und System-Administratoren Hand in Hand arbeiten.

CRN: Wie wichtig ist Collaboration bei der Software-Entwicklung?

Walkowiak: In der Software-Entwicklung geht nichts ohne Collaboration. Eine gute Kommunikation ist entscheidend: Nur im direkten und regelmäßigen Austausch zwischen den interdisziplinären Team-Mitgliedern entsteht nützliche Software.

Wenn alle Entwickler im selben Stockwerk sitzen, braucht man für diesen Austausch noch nicht einmal Tools. Aber da wir bei C4B auf flexible Arbeitszeit-Modelle setzen, arbeiten bei uns viele Kollegen regelmäßig von zu Hause aus. Da ist es natürlich ein großer Vorteil, dass wir als Unified Communications-Hersteller mit XPhone Connect direkt unsere eigene Software für Telefonkonferenzen, Chats und Screen-Sharing nutzen können. Sogar ein doppelter Vorteil, wenn man bedenkt, dass auf diese Weise jeder unserer Entwickler gleichzeitig ganz automatisch in die Rolle des Anwenders schlüpft.

CRN: Sind Scrum und Kanban noch aktuell?

Walkowiak: Scrum und Kanban sind hochaktuell. Denn egal, wie viel Planungsaufwand betrieben wird: Dem Anspruch, die perfekte Software zu planen und anschließend umzusetzen, kann man in der Praxis nicht gerecht werden. Das deutlich vielversprechendere Erfolgsrezept lautet: Weniger planen, mehr ausprobieren – und sich im Zweifelsfall auch mal eingestehen, dass eine Idee vielleicht doch nicht so brillant war, wie man anfangs dachte. Durch viele kleine Experimente erkennt man sehr schnell, ob man auf dem richtigen Weg ist oder in einer Sackgasse steckt. Und kann die Software so in kurzen Zyklen um neue Funktionalität erweitern.

Zentral ist dabei das Grundkonzept der agilen Entwicklung: Im Vordergrund steht immer der Anwendernutzen, noch vor der technischen Lösung von Problemen. Die erste Botschaft an das Entwickler-Team muss sein: Für wen und zu welchem Zweck entwickle ich die Lösung? Wenn hier ein gemeinsames Verständnis herrscht, muss auch nicht mehr jedes Detail ausformuliert werden. Die Messlatte ist der Kundennutzen. Denn: Was nutzt mir technisch brillante Software, die niemand braucht?

Damit das gelingt, reicht es nicht, einfach neue Labels auf alte Prozesse zu kleben. Viele kleine Wasserfälle ergeben noch keine Agilität. Wer tatsächlich agil werden will, muss den Mut haben, die Unternehmenskultur tiefgreifend zu verändern.

CRN: Entwickeln Unternehmen nur noch die Lösungen selbst, die für eine Abgrenzung vom Wettbewerb sorgen?

Walkowiak: Natürlich macht es keinen Sinn, das Rad immer wieder neu zu erfinden. Das wäre nicht nur Zeitverschwendung, es macht vor allem auch keinen Spaß. Aber man kann und sollte sich immer die Frage stellen, ob das bekannte Rad tatsächlich schon das Optimum ist. Wenn man etwas besser machen kann als andere, dann sollte man es tun. Schließlich gab es auch schon haufenweise Suchmaschinen, als Larry Page und Sergey Brin Google entwickelt haben….

CRN: Werden APIs in der Software-Entwicklung immer wichtiger?

Walkowiak: Ja. Denn nur durch APIs verlassen Anwendungen ihre einsame Insel. Und die wachsende Vernetzung verschiedenster Applikationen und Daten – ob durch Microservices, IoT oder die Integration mobiler Geräte – ist aktuell nicht nur in der IT eines der zentralen Themen. Sie schafft die Basis für völlig neue Geschäftsmodelle und verändert ganze Branchen. Nehmen wir zum Beispiel den Musikdienst Spotify, der mit seiner „Spotify Connect“-API einen immensen technischen Vorsprung herausgearbeitet hat. APIs werden also nicht nur wichtiger, sie sind heute nahezu unumgänglich. Bei aller Euphorie über das gigantische Potenzial, darf man dabei nicht die große Herausforderung ignorieren: APIs sind 24 Stunden am Tag im Dienst. Sie müssen nicht nur ausfallsicher und fehlertolerant sein, sondern vor allem auch sicher.

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