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Bechtle blickt auf Rekordjahr

Das Wunder vom Neckar

25. März 2015, 12:55 Uhr   |  Martin Fryba | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Gefahr Millionen zu versenken

Fünf Jahre hintereinander Rekordwerte: An der Börse wird Bechtle laut Olemotz mittlerweile mit anderen Augen gesehen, was sich in einem höheren Kurs-/Gewinn-Verhältnis ausdrückt als noch vor Jahren. »Wir stehen auf der Watchlist vieler internationaler Investoren, die größere Bechtle-Positionen aufbauen wollen.« Dass sich Bechtle nach wie vor als handeltreibender IT-Dienstleister versteht und anders als Wettbewerber das Zukunftsthema Cloud Computing nicht nach aller Regel der Marketingkunst ausschlachtet, schadet offensichtlich nicht. Man habe viel mehr zu bieten als dieses unbestrittene Trendthema, auf das sich Bechtle in seiner Kommunikation nicht verengen möchte, sagt Olemotz. Dass Konkurrenten mit Rankings von Analysten aufwarten, die deren Cloud-Lösungen einen hohen Reifegrad attestieren, sieht Olemotz gelassen: »Ich stehe lieber mit unserem Ebit-Gewinn rechts oben im magischen Quadranten«, so der CEO selbstbewusst.

In diesem Jahr wird Bechtle verstärkt das Thema Industrie 4.0 angehen und ausloten, welche Rolle das Systemhaus hier zukünftig spielen werde. Die große Bechtle-Kundenmesse Ende März, bei der rund 1.500 Kunden in Neckarsulm erwartet werden, steht ganz im Zeichen dieser vernetzten Zukunftstechnologie. Noch ist nicht klar, wer beim Internet of Things welche Geschäftsfelder besetzen kann. »Unsere Initiative bei Industrie 4.0 steht am Anfang«, sagt der Vorstand. Eher ungewöhnlich für einen handeltreibenden IT-Dienstleister, wie sich Bechtle versteht, ist das Engagement des Systemhausriesen bei der Erforschung von Einsatzszenarien bei Industrie 4.0-Anwendungen. Gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie gründete Bechtle ein Lab Industrie 4.0 und Collaboration. Olemotz zeigt sich hier allerdings als gut im Schwäbischen sozialisierter Manager, der nicht mehr ins finanzielle Risiko gehen will als unbedingt nötig. »Wir wollen hier keine Millionen versenken, sondern einen Fuß in der Türe haben.« Noch steht nicht fest, welche Industriestandards sich beim Thema Industrie 4.0 durchsetzen werden. Auf das falsche Pferd zu setzen, will man in Neckarsulm nicht.

Mit einem Umsatz von mehr als 2,5 Milliarden Euro müssen die Neckarsulmer ihr Systemhausgeschäft in neuen Dimensionen denken. »Unseren Kunden ist es nicht mehr zu vermitteln, dass ein Milliarden-Unternehmen wie Bechtle nicht global liefern kann«, räumt Olemotz ein. Bechtle hat daher begonnen, in den USA, Japan und Australien Partnerschaften mit ähnlich aufgestellten Systemintegratoren und E-Commerce-Anbietern zu schließen, um dieses Defizit wettzumachen. Man werde diese Strategie ausbauen und mit weiteren Partnerunternehmen für weltweite Lieferfähigkeit sorgen. Neuester Allianz-Partner ist die Datacentrix Holdings in Südafrika. Der Bechtle-Partner beschäftigt rund 1.100 Mitarbeiter in einem flächendeckenden Filialnetz in den Metropolen Südafrikas. Solche Allianzen sind für Bechtles Ziel ein wichtiger Baustein, um 2020 die Umsatzmarke von fünf Milliarden Euro zu knacken.

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3. »Versuchung, Unsinn zu machen, ist riesengroß«

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