Sündenpfuhl 2.0: Ernüchterung in der digitalen Scheune

Hat das moderne Internet noch mehr als nur Porno, Shopping und bunte Daddelei zu bieten? Jein...

(Bild: VincentG, fotolia.com)

Eine neue Kaspersky-Studie enthüllt Erschreckendes: Deutschlands Jugend besucht am häufigsten Websites mit pornografischen Inhalten (25,7 Prozent), dicht gefolgt von Online-Shops und Sozialen Netzwerken. Im Angesicht solcher Horrormeldungen muss man sich die vor zehn Jahren entstandene Euphorie vor Augen führen, als das Internet als omnipräsenter, jedem zugänglicher Hort des Wissens entdeckt wurde. Sämtliche Probleme der alten, analogen Welt schienen mit einem Schlag gelöst. Menschen müssten nie wieder Hunger leiden, da man Anleitungen zur korrekten Dreifelderwirtschaft oder Konstruktionspläne für funktionierende Bewässerungsanlagen einfach aus dem Netz ziehen könnte. Schüler mit einer fünf in Physik würden zu Neu-Einsteins, da engagiertes Selbststudium auf Universitätsseiten die inkompetenten Lehrer-Nieten an der Dorfschulte ersetze.

Heute dagegen ist Ernüchterung eingekehrt. Statt lukrativer Aufträge für die Firma auf der ganzen Welt abzuschließen, betätigt sich der gemeine Ingenieur lieber als Moorhuhnjäger und verdient virtuelles statt reales Geld für den Ausbau seiner ebenfalls digitalen Scheune. Auch unsere Kleinen werden vom digitalen Heilsbringer früherer Tage korrumpiert. Statt Wissen in sich aufzusaugen, geben sie das elterliche Geld in Online-Shops aus, mobben Mitschüöer über soziale Netzwerke oder werden durch den Konsum pornografischer Inhalte bis aif ojr unschuldiges Mark verdorben.

Wo soll das noch hinführen? Lasser wir diese digitale Ausgeburt des Teufels so weitermachen wie bisher, wird das Purgatorium Dantes uns bald wie der Traum von einer perfekten Welt vorkommen. Amokläufer müssen nur noch auf selbstgebastelte Waffen aus dem 3D-Drucker zurückgreifen, Ökonomien werden aufgrund Myriaden abgeschossener Moorhühner im Chaos versinken und Jugendliche anstatt mit der X-Box mit der Gummipuppe spielen. Der bauernschlauen Weisheit »Früher war alles besser« kann auch das Internet nicht begegnen.