Neue Richtlinie der EU: Online-Retouren bald kostenpflichtig

Viele Etailer wollen die Kosten für Retouren zukünftig den Kunden in Rechnung stellen. Möglich wird dies durch eine neue EU-Richtlinie.

Nach einer EU-Richtlinie können Etailer ihre Retouren bald kostenpflichtig machen Bild: Sebastian Kaulitzki, Tanja Bagusat - Fotolia.com

Drei Viertel aller Online-Händler wollen in Zukunft die Kosten für Retouren an den Kunden weitergeben. Dies geht aus einer Untersuchung der Universität Regensburg hervor. Möglich wird das durch eine neue EU-Verbraucherrechte-Richtlinie, nach der dem Kunden die Rücksendung zukünftig in Rechnung gestellt werden darf. Von allen 215 befragten Unternehmen gaben 76 Prozent an, von der neuen Richtlinie Gebrauch machen zu wollen. Rücksendungen kosten Online-Händler zwischen zehn und 20 Euro. In Deutschland gehen bis zu 30 Prozent aller Bestellungen wieder zurück, zehn Prozent aller Retouren können zudem nicht mehr weiterverkauft werden. Vor allem Etailer aus der Bekleidungsbranche haben mit Retouren-Quoten von über 25 Prozent zu kämpfen, wie aus der Studie hervorgeht. So sollen vier von zehn Kunden beim Kauf die Rücksendung der Ware bewusst einkalkulieren, weil bestellte Kleidungsstücke nicht passen oder gleich mehrere Varianten desselben Artikels bestellt werden. Zudem gaben fast 50 Prozent der befragten Unternehmen an, dass die Retourenquote in den letzten Jahren stark angestiegen sei.

Vor allem kleinere Online-Händler spielen laut Umfrage mit dem Gedanken, Retouren kostenpflichtig zu machen. Damit könnte sich die kostenlose Rücksendung vor allem für die großen Etailer zu einem Wettbewerbsvorteil entwickeln, da hier die Rücksendekosten bereits eingepreist sind. Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass Etail-Schwergewichte ihre momentane Rücknahmepolitik zukünftig ändern. Amazon beispielsweise gewährt aktuell eine 14-tägige Widerrufsfrist, wenn der Wert des gekauften Artikels 40 Euro übersteigt. Bei Kleidung oder Schuhen bietet der Online-Händler gar grundsätzlich kostenlose Retouren an. Die neue EU-Richtlinie muss bis 13. Dezember 2013 in nationales Recht umgesetzt werden und gilt für Verträge, die nach dem 13. Juni 2014 geschlossen werden.