Microsoft hat Google im Nacken: Office 365 wird billiger

Microsoft senkt bei dem Cloud-Büroangebot Office 365 die Preise um rund 20 Prozent. Für Partner wird die schon bisher knappe Marge dadurch noch geringer, doch die Hauptchancen liegen ohnehin im Servicegeschäft.

Axel Oppermann, Advisor bei dem Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Experton Group

Der Softwareriese und Cloud-Vorkämpfer Microsoft senkt bei seinem SaaS-Büropaket Office 365 die Preise. Für Schüler und Studenten gibt es spezielle Rabatte. Auch für Unternehmen sinken die Preise: um etwa 20 Prozent. Microsoft begründet den Schritt mit Skaleneffekten und Kostenreduktionen beim Betrieb der Lösung in den eigenen Rechenzentren, die nun an die Kunden weitergegeben werden sollen.

Was erfreulich klingt, weckt bei Beobachtern auch Misstrauen. Axel Oppermann, Advisor bei dem Münchner Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Experton Group, sieht darin Angst vor dem Wettbewerber Google am Werk, der mit seinem SaaS-Büropaket Apps allmählich auch bei den IT-Entscheidern in den Unternehmen Akzeptanz findet.

Im Hinblick auf die Partner spricht Oppermann von einem Affront. Unter Umständen steigt die Zahl der Neukunden durch die Preissenkung, die Provision pro Benutzer sinkt jedoch. Schon die jetzige Beteiligung am Umsatz von sechs Prozent pro Jahr plus zwölf Prozent für die Neukundengewinnung sei »zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig«. Allerdings gilt bei Software oft, dass die hauptsächliche Wertschöpfung der Partner durch Dienstleistung und nicht durch Handel erfolgt. Sie müssen kreative Wege finden, den Kunden interessante Projekte schmackhaft zu machen.

»Der Channel kann dem Anwender zahlreiche Mehrwerte liefern. Das gilt für den erfahrenen ISV, den Systemintegrator und auch den im Servicegeschäft jungfräulichen Reseller«, sagt Oppermann. Chancen ergäben sich aus Unvollkommenheiten von Office 365 und Konkurrenzangeboten sowie aus politischen Reglementierungen.

Ungewöhnlich ist es allemal, auf einem neuen Markt bei neuen Produkten mit Preisabschlägen zu operieren. Oppermann glaubt nicht, dass sich dadurch die Meinungsbildung und Adaption bei potenziellen Kunden wesentlich beschleunigen wird. Die Diskussion werde jedoch vom Nutzen zu den Kosten verlagert. Außerdem könnten sich Early Adopters vor den Kopf gestoßen fühlen, da die Preissenkung erst bei der nächsten Vertragsverlängerung (Renewal) zum Tragen kommt.