PaaS-Angebot als mittelfristiges Ziel: Software AG kauft In-Memory-Technologie

An die Akquisition des kleinen In-Memory-Spezialisten Terracotta knüpft die Software AG große Erwartungen: Bestehende Installationen sollen beschleunigt und Cloud-Lösungen ermöglicht werden.

Wolfram Jost, CTO der Software AG

Cloud Computing heißt der aktuelle Megatrend und die Software AG hat sich positioniert: Mittelfristig will man ein Komplettanbieter im Bereich Platform as a Service (PaaS) werden. Einen finanziell kleinen, aber technologisch großen Schritt dorthin stellt die Übernahme des Software-Herstellers Terracotta aus San Francisco dar, verkündete das Management des Darmstädter Herstellers. Terracotta wurde zwar schon vor acht Jahren gegründet, doch der Umsatz liegt nur im einstelligen Millionen-Euro-Bereich. Das Unternehmen beschäftigt 55 Mitarbeiter. Arnd Zinnhardt, CFO der Software AG, spricht von einem Forschungs- und Entwicklungsunternehmen.

Der Kaufpreis liegt im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich, die Akquisition soll im Juni abgeschlossen werden. Da die Software auch quelloffen und kostenlos zur Verfügung steht, gibt es immerhin rund eine Million Benutzer, vor allem im Bereich größerer Java-Anwendungen – ein verlockendes Kundenpotenzial. Sie soll namentlich mit den Webmethods- und Aris-Werkzeugen der Software AG für Anwendungsintegration und Geschäftsprozessmanagement verbunden werden. Eine Integration mit den Legacy-Produkten für Datenhaltung (Adabas) und Softwareentwicklung (Natural) wird es erst zu einem späteren Zeitpunkt geben.

Als alleinstehendes Produkt ist die Technologie zwar erhältlich, aber ihr Wert erschließt sich erst im Zusammenwirken mit anderer Software. Sie ermöglicht es, zu verarbeitende Daten im Hauptspeicher (In Memory) zu halten, sodass keine Zugriffe auf die Datenbank erforderlich sind. Zugriffe auf Hauptspeicher sind der Software AG zufolge 1000-fach schneller als solche auf Datenbanken. Außerdem kann die Terracotta-Technologie die schnelle Zwischenspeicherung von Daten über mehrere Applikationsserver hinweg synchronisieren (Distributed Caching). »Das ist die Architektur der Zukunft«, meint Wolfram Jost, CTO der Software AG.

Jost erwartet, dass die Terracotta-Software die Verarbeitungsgeschwindigkeit datenintensiver Anwendungen in der Welt der Software AG stark erhöhen kann. Überdies soll die neu erworbene Software einen grundlegenden Baustein bilden, um bestehende Infrastrukturen Cloud-fähig zu machen. Denn in einer Cloud lässt sich nicht vorhersehen, wieviele Nutzer und Daten zu bewältigen sein werden. Ferner soll die Terracotta-Software zur Entwicklung neuer Anwendungen genutzt werden. Mittelfristig soll sie außerdem in das künftige PaaS-Angebot des Herstellers einfließen. In allen diesen technologischen Aspekten sieht das Management der Software AG signifikante geschäftliche Möglichkeiten.

Im vierten Quartal dieses Jahres will die Software AG ein Produkt-Release der Terracotta-Software herausbringen, mit der die Performance bestehender Webmethods-Lösungen gesteigert werden kann. Weiterführende Produkte für die Cloud sollen im nächsten Jahr folgen. Die Open-Source-Version der Terracotta-Software wird es weiterhin geben, neben traditioneller Lizenzierung auch Subskription. Mittelfristig sind außerdem OEM-Verträge vorgesehen.