Kaum Nachfrage bei Hype-Themen: ERP-Lösungen sollen einfacher werden

Hersteller betriebswirtschaftlicher Anwendungssoftware sind mit neuen Produkten den meisten Anwendern um Jahre voraus. Kurzfristig haben Partner bei der Vereinfachung traditioneller ERP-Lösungen und der Anreicherung mit BI-Funktionalität Chancen. Mittel- und langfristig können neue Themen wie Cloud Computing und Mobility jedoch lohnend werden.

Applikationen aus dem Segment Enterprise Resource Planning (ERP) sind heute oft Teil größerer betriebswirtschaftlicher Softwarepakete, die außerdem Informationen über Kunden (Customer Relationship Management, CRM), Lieferanten (Supply Chain Management, SCM) und Angestellte (Human Resource Management, HRM) verwalten und noch weitere Module umfassen (siehe CRN 36/2010, Seite 20 ff.).

Business Intelligence (BI) ist heute ebenfalls zur Selbstverständlichkeit geworden. Bestandskunden rüsten bei BI erforderlichenfalls nach, Neukunden erwerben entsprechende Funktionalität oft im Zuge der Einrichtung ihrer ERP-Lösung. »Hier haben Partner gute Wachstumschancen, zumal der BI-Markt deutlich stärker wächst als der ERP-Markt«, konstatiert Frank Niemann, Director Software Markets bei der Marktforschungsfirma Pierre Audoin Consultants (PAC) in München.

Buchhaltung, ein schlichtes Wort für eine Kernaufgabe, die ERP-Software unterstützt, scheint nicht extrem kompliziert zu sein. Doch die betriebswirtschaftlichen IT-Lösungen haben eine Komplexität erreicht, unter der die Anwender ächzen. »Teilweise sind die Ursachen dieser Komplexität hausgemacht, teilweise liegen sie jedoch bei den Software- oder Hardware-Lieferanten«, weiß Karl Liebstückel, Vorstandsvorsitzender der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG). Die neue Netweaver-Version 7.30 gestattet es nun endlich, die Vielzahl der SAP-Systeme zu reduzieren. Und die neue Version 4.0 der zugekauften Business-Objects-Software soll mit der Netweaver-Infrastruktursoftware besser zusammenarbeiten.

Die Idee einer serviceorientierten Architektur (service-oriented architecture, SOA) ist inzwischen zwar in vielen ERP-Paketen implementiert, doch für mehr Übersichtlichkeit hat dies offenbar nicht gesorgt. Zahlreiche wiederverwendbare Softwarebausteine, die über standardisierte Schnittstellen zusammenwirken, stehen etwa in der SAP-Welt in Bibliotheken bereit. Alle Blütenträume sind indes nicht gereift. So gab es die Vorstellung, dass ein Business-Analyst einen Geschäftsprozess aufzeichnet, ein paarmal klickt und so die benötigte Software erschafft. »So etwas wird es nie geben«, zeigt sich Experte Liebstückel überzeugt.