Interview: SOA - vom Trend zur Basis

Nach einigen Jahren des großen Hypes ist es inzwischen wesentlich ruhiger um das Thema SOA geworden. Doch bedeutet das nicht, dass SOA verschwunden ist - im Gegenteil hat es sich inzwischen als Standard durchgesetzt, erläutert Daniel Liebhart im Interview mit der InformationWeek.

Daniel Liebhart ist Autor des Buches »SOA goes real«.

Herr Liebhart, SOA ist als Trend heute nicht mehr sichtbar. Was ist davon übrig geblieben?

Liebhart: SOA ist vom Trend zu einer schlichten Basisanforderung geworden, die nicht nur an jede einzelne neue Anwendung oder an jedes Standardprodukt gestellt wird. Nein, ganze IT-Landschaften werden heute auf Basis von SOA Schritt für Schritt umgesetzt. Das bedeutet, dass sich SOA zur Standardarchitektur für betriebliche Informationssysteme gemausert hat.

Warum ist das so?

Liebhart: Das hat mehrere Gründe; Zum einen, weil die Grundkomponente einer SOA – der Service - schlicht und einfach bestechende Eigenschaften hat, die bezüglich Universalität des Einsatzes und einfacher Standardisierung kaum zu überbieten sind. Zum Anderen, weil die Aufteilung der Geschäftslogik Flexibilität und Kostenvorteile bringt. Außerdem kommt dazu, dass alle großen Hersteller ihre Standardprodukte auf SOA umgestellt haben und damit die Integration wesentlich leichter wird.

Der Service als Grundkomponente – das ist für sich gesehen ja nichts Neues.

Liebhart: Das neue am Service in einer SOA ist die standardisierte Schnittstelle – also SOAP und WSDL – diese Schnittstelle ist sehr einfach über Systemgrenzen hinweg zu integrieren. Viele Unternehmen schrecken beispielsweise von den Investitionen in den Neubau einer bestehenden und geschäftskritischen Altanwendung zurück. SOA stellt eine Vielzahl einfachster Techniken zur Verfügung, um bestehende Systeme hinter modernsten Services zu verstecken. So können diese Altsysteme weitere Jahre genutzt werden, da sie dank der standardisierten Schnittstelle einfach mit neuen Technologien oder Produkten interagieren können. Dasselbe gilt natürlich auch für neue Systeme. Services sind sehr viel einfacher zu einem funktionierenden Ganzen zu kombinieren als Komponenten, die keine standardisierten Schnittstellen verwenden. Allerdings mussten viele Unternehmen die Erfahrung machen, dass ein SOA Service immer ein Web Services sein muss. Nur dann können Anwendungen einfach interagieren und die Vorteile neuer Instrumente wie beispielsweise einer Process Engine oder eines ESB genutzt werden.

Und die Aufteilung der Geschäftslogik, was bedeutet das nun genau?

Liebhart: Sie bedeutet eine Flexibilisierung einer Anwendung durch die Trennung der Business-Logik in statische und dynamische Bereiche. Der statische Bereich der Business-Logik wird als Service realisiert, der dynamische Bereich wird getrennt davon als Prozess oder als Regel modelliert, generiert und ausgeführt. Eine Anwendung wird zur Sequenz von einzelnen Prozessschritten. Jeder Schritt stellt einen Service dar. Die Sequenz selbst wird als ausführbarer Prozess oder auch Workflow graphisch modelliert und zur Laufzeit ausgeführt. Ändert sich nun ein Geschäftsprozess, so muss lediglich der entsprechend modellierte Prozess nachgeführt werden. Die neuen Prozessinformationen werden geladen und die Änderung ist durchgeführt. Auf SOA basierende Systeme sind änderungsfreundlicher und damit wesentlich flexibler als mit konventionellen Mitteln umgesetzte Anwendungen und somit auch sehr viel kostengünstiger zu betreiben.

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