Test: AppDynamics Lite: Leichtes Applikations-Performance-Management

Applikations-Performance-Management muss nicht teuer sein. Und trotzt des Terminus »Lite« in der Produktbezeichnung ist Appdynamics kostenloses Angebot alles andere als schwach.

Das noch recht junge Unternehmen Appdynamics brachte Anfang des Jahres seine Application-Performance-Management-Software auf den Markt, die sich Applikationen in der Cloud, in virtuellen und serviceorientierten (SOA) Architekturen zur Brust nimmt. Nun schiebt das Haus eine kostenlose Edition der Software nach – »AppDynamics Lite«. Die neue Edition steht bereits seit Mitte Mai zum Download bereit. Sie besitzt viele, jedoch nicht alle Fähigkeiten der ausgewachsenen Software Appdynamics 2.0. Die kostenlose Version lässt sich direkt von der Hersteller-Website auf einen Applikations-Server herunter laden und hilft dann dabei, die Ursachen von Performance-Problemen in produktiven Umgebungen aufzuspüren.

Es klafft eine Lücke zwischen dem Monitoring und dem Management von Applikationen, die in extrem verteilten Umgebungen laufen. Dies gilt besonders für Umgebungen, die Virtualisierung und Cloud-Computing-Architekturen nutzen. Die meisten Hersteller von Managementprodukten versuchen diese Lücke zu schließen. Traditionelle Hersteller wie Computer Associates (jetzt CA Technologies) bauen dazu auf ein Vermächtnis von Systems-Management-Fähigkeiten, während Newcomer wie Appdynamics von Grund auf neu entwickelte Managementarchitekturen nutzen. Deren Idee ist, dass Applikationen Services sind, die je nach Bedarf hinauf oder hinab skalieren und auf mehrere virtuelle Server verteilt werden können. Tatsächlich entwickelte Appdynamics ihr Produkt spezifisch dafür, Applikationen in der Cloud zu überwachen und Kapazität intelligent und wie gerade benötigt zur Verfügung zu stellen.

Appdynamics-Lite ist so zugeschnitten, dass es in ungefähr zwei Minuten auf einen produktiven Applikationsserver geladen und installiert ist. Anschließend, innerhalb von rund 15 Minuten, ist das Produkt bereits in der Lage, Root-Cause-Analysen durchzuführen, indem es die Performance von Server-Calls zu verschiedenen Datenbanken, Web-Services und anderen Server beobachtet und misst.

Die Software konzentriert sich auf Geschäftstransaktionen wie Logins, Logouts, Hinzufügungen zum Warenkorb, Produktsuchen, Checkouts und andere Prozesse. Sie ist fähig, ein Troubleshooting für solche Prozesse zu betreiben, langsame und sehr langsame Requests zu erkennen, Fehler zu lokalisieren und Root-Cause-Diagnosen durchzuführen. Falls beispielsweise die Geschwindigkeit einer Datenbankabfrage auf einen nicht mehr akzeptablen Service-Level abfällt, kann der Benutzer die Software einsetzen, um mit Hilfe von Code-Level-Diagnosen herauszufinden, warum dies so ist.

Den Nutzern bietet Appdynamics-Lite fünf verschiedene Screens. Anfänglich gibt es ein Dashboard, das illustriert, welche Geschäftstransaktionen Probleme haben. Hier sieht der Benutzer zum Beispiel zusammengefasste Performance-Ergebnisse (Load, Response, Errors, Stalls) und visuelle Kennzeichnungen (grün, gelb, rot), die darauf hindeuten, wie gut oder schlecht die verschiedenen Transaktionen laufen. Verlangsamt sich eine Transaktion, kann der Benutzer tiefer in diese spezifische Transaktion einsteigen. Von dort aus lässt sich dann recht einfach eine Root-Cause-Diagnose durchführen, um Hot-Spots, SQL- und Call-Probleme, Stalls, protokollierte Fehler und mehr zu finden. Außerdem stehen Diagnosen auf Class/Methoden-Ebene zur Verfügung.

Appdynamics-Lite bietet tief reichendes Applikations-Performance-Management, was Unternehmen sonst mehrere Tausend Euro pro CPU kostet. Natürlich offeriert die kostenlose Version nicht die gesamte Funktionalität von Appdynamics 2.0. Beispielsweise behält die Lite-Version nur bis zu zwei Stunden Performance-Messungen. Damit ist das Produkt gut für den spontanen Einsatz geeignet, weniger fürs 24/7 vorausschauende und proaktive Monitoring. Für viele Organisationen ist das, was in der Lite-Edition steckt, vermutlich trotzdem mehr als ausreichend. Selbst der Hersteller schätzt, dass die frei herunterladbare Version für 90 Prozent seiner Kunden ausreichen dürfte.

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