Software von Lizengo, Lizenzfuchs, Edeka & Co unter der Lupe: Softwareschnäppchen: Zu schön, um wahr zu sein

Bei Software ist Geiz nicht etwa geil, sondern fahrlässig. Kunden können auf Betrug hereinfallen oder kaufen Keys ohne Nutzungsrechte. Was seriöse Händler und Distributoren schon lange bemängeln, bestätigen CRN-Testkäufe: Softwarekauf, nicht nur zwischen Kraut und Rüben bei Edeka, birgt ein erhebliches Risiko. CRN sagt, warum.

Ein hochwertiges Office-Paket für knapp über zwei Euro – kann das legal sein?

»Microsoft Office 2019 Professional Plus« billiger als ein Cappuccino? Solche Angebote auf den Marktplätzen von Amazon, Rakuten oder bei Ebay sowie Preisvergleichsportalen wie Idealo gibt es immer wieder. Sie werden meist von betrügerischen Anbietern, mindestens aber zweifelhaften Händlern in Verkehr gebracht. So schnell sperren und löschen können die Plattformen deren Konten gar nicht, wie sich die Anbieter unter anderen Namen wieder anmelden. Wer solche fast geschenkten Microsoft-Produkte kauft, geht teils erhebliche Risiken ein, als Privatnutzer und noch viel mehr als Unternehmenskunde oder gar Reseller.

Entweder klappt die Installation erst gar nicht oder die Anwendung wird später von Microsoft gesperrt, weil zu viele Aktivierungen ein und desselben Keys erfolgen. 2,09 Euro in den Sand gesetzt für eine Version, die in der Distribution durchschnittlich knapp 538 Euro kostet – das kann man rein finanziell sicher verschmerzen. Zumindest im Vergleich zu den zahlreichen weiteren Risiken, die solch ein vermeintliches Schnäppchen schnell mit sich bringen kann.

So sind uns im Rahmen unserer Recherchen beispielsweise Angebote untergekommen, bei denen sich die Kunden ihre Software von dubiosen Seiten oder gar Google-Drive-Laufwerken herunterladen sollen. Dabei ist allein schon diese Form der Bereitstellung nicht rechtens, wie der Bundesgerichtshof (ZR 132/17) gerade erst bestätigt hat. Der Nutzer kann sich hier zudem eine handfeste Malware-Infektion einfangen, wie eine Analyse des IT-Sicherheitsanbieters Eset auf Anfrage von CRN ergab (mehr dazu in den nächsten CRN-Ausgaben).

Oft genug erwirbt man bei solchen Angeboten auch entweder eine Raub- oder anderweitig illegale Kopie, oder aber lediglich einen eigentlich wertlosen Aktivierungs- oder Lizenzschlüssel, der allerdings keinerlei oder nur eingeschränkte Nutzungsrechte beinhaltet. Zumindest für Unternehmen sind damit bei einem Audit die Probleme vorprogrammiert.

Unschwer zu erraten, dass gerade die billigsten unter den Billigheimern meist gegen jedwede Lizenzbestimmungen und Nutzungsrechte verstoßen. Manche von ihnen heben inzwischen sogar absichtlich ihre Preise an, um dieses sofortige Erkennungsmerkmal zu verschleiern. Auch wenn ihre Zahl seit Jahren eher zu- als abnimmt, ist ihr kleinteiliges »Geschäft« aber nicht das Kernproblem für die vielen seriösen Fachhändler und Hersteller wie Microsoft. Da gibt es geschmeidigere Portale, die im großen Umfang auftreten, im Marketing viel, vor allem viel Widersprüchliches versprechen und es mit den Fakten nicht so genau nehmen.

Kommentare (6) Alle Kommentare

Antwort von Lothar , 14:21 Uhr

Erstmal vorneweg, ich habe nichts mit Lizengo zu tun.

Aber irgendwie schein mir Ihre Berichterstattung doch etwas einseitig zu sein.

Lizengo ist der Böse, und Preosoftware, Li-X, MRM und USC, etc. sind die Guten.

In Ihrer Tabelle führen Sie nur die Preise von Lzengo/lizenzfuchs auf, warum nicht auch die Preise der Anderen?

Vendosoft bietet ebenfalls das Office 2019 Profesional Plus an, das wie Sie schreiben nur aus Volumenlizenzverträgen stammen kann, sicherheitshalber wird der Preis aber OHNE MwSt. angezeigt! Wo ist denn hier jetzt der Unterschied?

Von den "Guten" haben Sie die "Aussage" von den Geschäftsführern: Nein sowas "Böses" würden wir ja nie tun.

Bei Lizengo hatten SIe nur Kontakt über die Chat-Funktion, sprich das saß ein Hiwi der nix dazu sagen konnte, wollten Sie nicht mit einem Verantwortlichen reden oder war Lizengo nicht dazu bereit?

Welchen Nutzen bringt mir jetzt Ihr Artikel? Kann ich bei allen Anderen, außer bei Lizengo, bedenkenlos kaufen?

Antworten

Antwort von Ede , 19:26 Uhr

Das beschriebene Problem ist ja nicht, dass es sich um gebrauchte und / oder Volumenlizenzen handelt, sondern, dass etwas völlig anderes versprochen als geliefert wird. Das macht für mich als IT-Verantwortlicher schon einen gravierenden Unterschied. Während ich bei den genannten Gebraucht-Anbietern genau nachvollziehen kann, welche Art von Lizenz ich bekomme, woher sie stammt und dass sie gebraucht ist, bekomme ich bei Lizengo und Konsorten einen Key und dazu eine Geschichte vom Pferd die Münchhausen als Waisenknaben erscheinen lässt, und für die ich meinen Kopf sicher nicht hinhalten will…

Antwort von BR0KK , 12:00 Uhr

Die Frage ist wie der normale User denn davon Kenntniss haben kann/ soll. Der kauft bei EDEKA einen Key im glauben das das was da angeboten wird rechtens und damit seins ist.

Aktivieren lässt sich der Key auch einwandfrei….. und sogar die Anmeldung am MS Konto funktioniert damit ?!

Wenn dann der Key gesperrt wird oder sogar ein Audit mit Anzeige droht :/ (Gibts da bereits Fälle zu? Verurteilet Personen? Gerichtsurteile?)….

Gebrauchte Keys zu verkaufen (sofern aus legalen Quellen) ist ansich einen gute Idee. MS ist ja dagegen …. Die wollen unbedingt neu verkaufen…..

Antwort von Rene Jansen , 06:34 Uhr

Zu den Distripreisen möchte ich anmerken, dass wir über einen europäischen Markt sprechen.

Zitat: "Der durchschnittliche VK von 20 Distributoren, die in der von vielen Resellern verwendeten Beschaffungslösung von Cop Software + Services gelistet sind, lautete Ende Juli 537,44 Euro."

Ich bezweifle, dass die Produktpreise in der Distribution in den (beispielsweise) östlichen EU-Staaten ähnlich hoch sind.