Software von Lizengo, Lizenzfuchs, Edeka & Co unter der Lupe: Softwareschnäppchen: Zu schön, um wahr zu sein

Bei Software ist Geiz nicht etwa geil, sondern fahrlässig. Kunden können auf Betrug hereinfallen oder kaufen Keys ohne Nutzungsrechte. Was seriöse Händler und Distributoren schon lange bemängeln, bestätigen CRN-Testkäufe: Softwarekauf, nicht nur zwischen Kraut und Rüben bei Edeka, birgt ein erhebliches Risiko. CRN sagt, warum.

Keine Lizenzüberprüfung gestattet

»Uns wurden 6.000 Lizenzen von Microsoft Office Pro Plus zu einem extrem günstigen Preis angeboten. Wir haben sie nicht gekauft, weil es sich um ein abgespaltenes Paket von einer erstmals in Kanada in Umlauf gebrachten Volumenlizenz handelte.« Björn Orth, Geschäftsführer Vendosoft
(Foto: Vendosoft)

Weiter kommt man bei den Ungereimtheiten dieses Händlers indes, wenn man die Hinweise auf dem Lieferschein von Lizengo liest. Dort heißt es, man müsse die Produktschlüssel als »sensible Daten behandeln« und »keinesfalls unbefugten Personen oder Organisationen zugänglich« machen. Und weiter: »Auch Personen und Organisationen, die Lizenzüberprüfungen im Auftrag des Herstellers oder Dritter durchführen, sind unbefugt.« Im Klartext: Lizengo verbietet Kunden die Überprüfung einer rechtmäßigen Softwarenutzung durch Microsoft. Ganz ähnliche Bedingungen finden sich auch bei Lizenzfuchs.

Dass diese Hinweise nicht in den AGBs stehen, beziehungs-weise Lizengo und Lizenzfuchs dem Käufer diese wichtige Information erst nach dem Kauf von Software mitteilen, spricht aus unserer Sicht nicht gerade für ein seriöses Geschäftsgebaren. Inwieweit es auch rechtlich anfechtbar ist, wird sich erst noch zeigen müssen. Auf Käuferseite dürfte beim Durchlesen dieser ungewöhnlichen Vorgaben jedenfalls die Verunsicherung zunehmen, dass man möglicherweise lediglich einen Produktschlüssel und einen Download-Key gekauft hat, ein Nutzungsrecht an der Software aber nicht einmal überprüfen darf. Die Folgen daraus: Stellt sich heraus, dass ein Käufer eines Lizengo-Produkts kein Nutzungsrecht erwirbt, könnte Microsoft die Software jederzeit deaktivieren.

Hat man übrigens den Produktschlüssel zur Überprüfung einer rechtmäßigen Nutzung dennoch bei Microsoft eingereicht, »erfolgt kein Ersatz durch Lizengo«, heißt es auf dem Lieferschein. Auf Nachfrage dazu erhielten wir eine äußerst spannende Antwort, mit der die Verhältnisse kurzerhand umgedreht werden. Dieser zufolge steckt hinter dem fragwürdigen Überprüfungsverbot nicht etwa die Angst, dass etwas mit der eigenen Ware nicht stimmen könnte, sondern die Befürchtung, dass sich die Prüfer der Keys bemächtigen und sie durch eigene Nutzung, Weitergabe oder Verkauf missbrauchen könnten. Sollten sie dann wegen zu häufiger Nutzung gesperrt werden, könne man keinen Ersatz leisten. Eine reichlich krude Argumentation. Denn wer eine gültige Lizenz vorweisen kann, bekommt im unwahrscheinlichen Fall der Sperrung eines Aktivierungskeys von Microsoft selbst Ersatz gestellt.

Microsofts Produktidentifikationsdienst (PID) indes nährt nach einer Untersuchung der eingesendeten Keys und Unterlagen unserer Testkäufe bei Lizengo und Lizenzfuchs die Zweifel an der Ware und kommt zum Schluss: »Auch unter Berücksichtigung dessen, dass Erwerber einer so genannten ›gebrauchten‹ Kopie eines Computerprogramms unter bestimmten Voraussetzungen ein gesetzliches Recht zur Installation und Nutzung des Computerprogramms erlangen können (…) wird allein durch die vorgelegten Unterlagen und der übersandten Product Keys nicht belegt, dass Sie Rechte zur Nutzung des entsprechenden Computerprogramms erlangt haben.« Dem folgen genauere Erklärungen zu dieser für den Kunden beunruhigenden Einschätzung.

All das untermauert den Verdacht, dass die Kunden hier möglicherweise lediglich einen Schlüssel, aber keine gültige Lizenz mit entsprechenden Nutzungsrechten erwerben könnten.

Kommentare (7) Alle Kommentare

Antwort von lizenzstinktier , 14:16 Uhr

Guter Artikel der das Geschätsmodell gut beschreibt. Ihr habt mich als Leser dazugewonnen. Besser recherchiert als bei Heise.

Wer denkt er erhält bei Lizengo, Lizenzfuchs, Tornadosoft usw. legale Lizenzen, der irrt. Das ist Betrug im großen Stil. Die nutzen die Unwissenheit der Kunden schamlos aus. Nur weil ein Key sich aktivieren lässt heißt es nicht, dass man das Nutzungsrecht an der Software bzw. eine Lizenz erwirbt. Man kauft eigenltich nur wertlose Keys, die massenhaft auch an andere Kunden verkauft werden. Meistens sind das MAK Keys die sich mehrfach aktivieren lassen.

Antwort von Lothar , 14:21 Uhr

Erstmal vorneweg, ich habe nichts mit Lizengo zu tun.

Aber irgendwie schein mir Ihre Berichterstattung doch etwas einseitig zu sein.

Lizengo ist der Böse, und Preosoftware, Li-X, MRM und USC, etc. sind die Guten.

In Ihrer Tabelle führen Sie nur die Preise von Lzengo/lizenzfuchs auf, warum nicht auch die Preise der Anderen?

Vendosoft bietet ebenfalls das Office 2019 Profesional Plus an, das wie Sie schreiben nur aus Volumenlizenzverträgen stammen kann, sicherheitshalber wird der Preis aber OHNE MwSt. angezeigt! Wo ist denn hier jetzt der Unterschied?

Von den "Guten" haben Sie die "Aussage" von den Geschäftsführern: Nein sowas "Böses" würden wir ja nie tun.

Bei Lizengo hatten SIe nur Kontakt über die Chat-Funktion, sprich das saß ein Hiwi der nix dazu sagen konnte, wollten Sie nicht mit einem Verantwortlichen reden oder war Lizengo nicht dazu bereit?

Welchen Nutzen bringt mir jetzt Ihr Artikel? Kann ich bei allen Anderen, außer bei Lizengo, bedenkenlos kaufen?

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Antwort von Ede , 19:26 Uhr

Das beschriebene Problem ist ja nicht, dass es sich um gebrauchte und / oder Volumenlizenzen handelt, sondern, dass etwas völlig anderes versprochen als geliefert wird. Das macht für mich als IT-Verantwortlicher schon einen gravierenden Unterschied. Während ich bei den genannten Gebraucht-Anbietern genau nachvollziehen kann, welche Art von Lizenz ich bekomme, woher sie stammt und dass sie gebraucht ist, bekomme ich bei Lizengo und Konsorten einen Key und dazu eine Geschichte vom Pferd die Münchhausen als Waisenknaben erscheinen lässt, und für die ich meinen Kopf sicher nicht hinhalten will…

Antwort von BR0KK , 12:00 Uhr

Die Frage ist wie der normale User denn davon Kenntniss haben kann/ soll. Der kauft bei EDEKA einen Key im glauben das das was da angeboten wird rechtens und damit seins ist.

Aktivieren lässt sich der Key auch einwandfrei….. und sogar die Anmeldung am MS Konto funktioniert damit ?!

Wenn dann der Key gesperrt wird oder sogar ein Audit mit Anzeige droht :/ (Gibts da bereits Fälle zu? Verurteilet Personen? Gerichtsurteile?)….

Gebrauchte Keys zu verkaufen (sofern aus legalen Quellen) ist ansich einen gute Idee. MS ist ja dagegen …. Die wollen unbedingt neu verkaufen…..