Software von Lizengo, Lizenzfuchs, Edeka & Co unter der Lupe: Softwareschnäppchen: Zu schön, um wahr zu sein

Bei Software ist Geiz nicht etwa geil, sondern fahrlässig. Kunden können auf Betrug hereinfallen oder kaufen Keys ohne Nutzungsrechte. Was seriöse Händler und Distributoren schon lange bemängeln, bestätigen CRN-Testkäufe: Softwarekauf, nicht nur zwischen Kraut und Rüben bei Edeka, birgt ein erhebliches Risiko. CRN sagt, warum.

Betrug? »Kann so ausgelegt werden«

Die Verbindung zwischen Lizengo und Lizenzfuchs
(Foto: northdata.de)

Warum Lizengo explizit betont, keine Volumenlizenzen zu verkaufen, und es doch tut, weiß nur der Anbieter selbst. Genauso, ob es sich dabei wirklich um Neu-ware handelt. Mögliche Erklärungen dafür gibt es viele – und die meisten sind plausibler als die Angaben, die Lizengo selbst macht. So könnte die Verschleierung beispielsweise ein Indiz für eine intransparente Rechtekette sein. Wie CRN im vergangenen Jahr offengelegt hat, könnte es sich dann im schlimmsten Fall für den Kunden sogar um Volumenlizenzen handeln, die ursprünglich außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums gekauft wurden und daher hierzulande – zumindest nach der Lesart von Microsoft und den von uns befragten Rechtsgutachtern – nicht in Verkehr gebracht werden dürfen.

Ein anderer, recht plumper Grund könnte sein, dass Linzen-go mit dem expliziten Hinweis auf »neu« höhere Preise gegenüber der günstigeren Konkurrenz rechtfertigen will. Ganz zu schweigen von den gänzlich unseriösen Billigheimern, die für wenige Euro Microsoft-Lizenzen verkaufen und damit selbst einen völlig unkundigen Interessenten darauf stoßen, dass hier offensichtlicher Betrug vorliegen muss.

Wir wollten deshalb per Chat von einem B2B-Berater von Lizengo wissen, wie es sein kann, dass es für Office 2019 Professional Plus günstigere Händler als Lizengo gibt, wo doch die Kölner so aggressiv mit ihren billigen Preisen werben. Was wir zu hören bekamen, offenbart eine ziemliche Unkenntnis der Lizenztypen. Wie gesagt: Dieses Produkt gibt es ausschließlich als Volumenlizenz. Umso mehr erstaunt uns Chat-Berater Daniel T. mit seiner Aussage: »Es kann natürlich sein, dass es günstigere Anbieter auf dem Markt gibt. Viele Firmen geben in diesem Fall offen zu, dass der doppelte Vertrieb von Produktschlüsseln, die für eine einzige Aktivierung vorgesehen sind, durch die Lieferkette vorkommen kann. Dies würde für uns niemals in Frage kommen.« Doppelter Vertrieb von Produktschlüsseln? Betrug sozusagen, fragt CRN nach? »Dies kann so ausgelegt werden«, erhalten wir die Antwort. Bevor wir B2B-Lizengo-Berater Daniel mit weiteren Fragen konfrontieren können, verabschiedet er uns mit dem Satz: »Ich denke wir kommen hier nicht weiter.«

Kommentare (7) Alle Kommentare

Antwort von lizenzstinktier , 14:16 Uhr

Guter Artikel der das Geschätsmodell gut beschreibt. Ihr habt mich als Leser dazugewonnen. Besser recherchiert als bei Heise.

Wer denkt er erhält bei Lizengo, Lizenzfuchs, Tornadosoft usw. legale Lizenzen, der irrt. Das ist Betrug im großen Stil. Die nutzen die Unwissenheit der Kunden schamlos aus. Nur weil ein Key sich aktivieren lässt heißt es nicht, dass man das Nutzungsrecht an der Software bzw. eine Lizenz erwirbt. Man kauft eigenltich nur wertlose Keys, die massenhaft auch an andere Kunden verkauft werden. Meistens sind das MAK Keys die sich mehrfach aktivieren lassen.

Antwort von Lothar , 14:21 Uhr

Erstmal vorneweg, ich habe nichts mit Lizengo zu tun.

Aber irgendwie schein mir Ihre Berichterstattung doch etwas einseitig zu sein.

Lizengo ist der Böse, und Preosoftware, Li-X, MRM und USC, etc. sind die Guten.

In Ihrer Tabelle führen Sie nur die Preise von Lzengo/lizenzfuchs auf, warum nicht auch die Preise der Anderen?

Vendosoft bietet ebenfalls das Office 2019 Profesional Plus an, das wie Sie schreiben nur aus Volumenlizenzverträgen stammen kann, sicherheitshalber wird der Preis aber OHNE MwSt. angezeigt! Wo ist denn hier jetzt der Unterschied?

Von den "Guten" haben Sie die "Aussage" von den Geschäftsführern: Nein sowas "Böses" würden wir ja nie tun.

Bei Lizengo hatten SIe nur Kontakt über die Chat-Funktion, sprich das saß ein Hiwi der nix dazu sagen konnte, wollten Sie nicht mit einem Verantwortlichen reden oder war Lizengo nicht dazu bereit?

Welchen Nutzen bringt mir jetzt Ihr Artikel? Kann ich bei allen Anderen, außer bei Lizengo, bedenkenlos kaufen?

Antworten

Antwort von Ede , 19:26 Uhr

Das beschriebene Problem ist ja nicht, dass es sich um gebrauchte und / oder Volumenlizenzen handelt, sondern, dass etwas völlig anderes versprochen als geliefert wird. Das macht für mich als IT-Verantwortlicher schon einen gravierenden Unterschied. Während ich bei den genannten Gebraucht-Anbietern genau nachvollziehen kann, welche Art von Lizenz ich bekomme, woher sie stammt und dass sie gebraucht ist, bekomme ich bei Lizengo und Konsorten einen Key und dazu eine Geschichte vom Pferd die Münchhausen als Waisenknaben erscheinen lässt, und für die ich meinen Kopf sicher nicht hinhalten will…

Antwort von BR0KK , 12:00 Uhr

Die Frage ist wie der normale User denn davon Kenntniss haben kann/ soll. Der kauft bei EDEKA einen Key im glauben das das was da angeboten wird rechtens und damit seins ist.

Aktivieren lässt sich der Key auch einwandfrei….. und sogar die Anmeldung am MS Konto funktioniert damit ?!

Wenn dann der Key gesperrt wird oder sogar ein Audit mit Anzeige droht :/ (Gibts da bereits Fälle zu? Verurteilet Personen? Gerichtsurteile?)….

Gebrauchte Keys zu verkaufen (sofern aus legalen Quellen) ist ansich einen gute Idee. MS ist ja dagegen …. Die wollen unbedingt neu verkaufen…..