Software von Lizengo, Lizenzfuchs, Edeka & Co unter der Lupe: Softwareschnäppchen: Zu schön, um wahr zu sein

Bei Software ist Geiz nicht etwa geil, sondern fahrlässig. Kunden können auf Betrug hereinfallen oder kaufen Keys ohne Nutzungsrechte. Was seriöse Händler und Distributoren schon lange bemängeln, bestätigen CRN-Testkäufe: Softwarekauf, nicht nur zwischen Kraut und Rüben bei Edeka, birgt ein erhebliches Risiko. CRN sagt, warum.

Neuware mit eingebauter Erschöpfung

»Kein Händler muss sich aus fragwürdigen Quellen bedienen. Beim Kauf erhält er von uns als Microsoft-Partner neben Lieferschein und Rechnung auch ein Dokument der rechtskonformen Übertragung, eine vom Ersterwerber unterschriebene Vernichtungserklärung sowie die Kopien der originalen Konzernverträge zwischen Hersteller und Ersterwerber.« Ronny Drexel, MRM Distribution
(Foto: MRM Distribution)

Aber auch damit bleibt unter Umständen ein noch wesentlich größerer Fallstrick bestehen. Denn laut den geltenden Lizenzbedingungen ist auch der MAK für sich allein nur ein Schlüssel, aber noch keine Lizenz. Um diese zu bekommen, muss
bei den Volumen-Versionen (Upgrades) von Windows 10 Pro und Enterprise für Unternehmen neben dem MAK aus der Volumenlizenz zusätzlich eine gültige OEM-Lizenz für die Pro-Version vorliegen, damit eine Lizenzierung besteht. Darauf werden die Käufer jedoch nicht hingewiesen und können so bei einem Audit in erhebliche Schwierigkeiten geraten.

Eine andere Variante wäre, dass es sich entgegen der Aussagen von Lizengo und Lizenzfuchs eben doch um gebrauchte (Volumen-)Lizenzen handelt. Denn gebraucht sind die Aufspaltung von Volumenlizenzen und ihr gestückelter Vertrieb grundsätzlich erlaubt. Obwohl auch bei Lizenzfuchs keine Hinweise auf gebrauchte Software zu finden sind und in Produktbeschreibungen sogar explizit steht, »Selbstverständlich erhalten Sie immer einen nagelneuen, legitimen Produkt-Key«, weist der Anbieter in den Lieferdokumenten darauf hin, dass die Erschöpfung eingetreten sei. Warum er das tut, obwohl es sich angeblich nicht um gebrauchte Lizenzen handelt, ist fraglich. Dieses Phänomen taucht in der Kommunikation mit Lizengo und Lizenzfuchs an verschiedenen Stellen immer wieder auf. Während einerseits betont wird, dass es sich um Neuware handle, wird gleichzeitig ausführlich auf die Rechtmäßigkeit des Handels mit gebrauchter Software hingewiesen.

Aber die Hürden für den seriösen und rechtskonformen Handel solcher Lizenztypen sind sehr hoch. Insbesondere muss ein Händler Nachweise über die Rechtekette und damit die Vorbesitzer von Volumenlizenzen erbringen können sowie sicherstellen, dass die Vorbesitzer von ihrem ursprünglichen Nutzungsrecht keinen Gebrauch mehr machen. Ob man solche Nachweise offen vorlegen muss, wie es beispielsweise Preosoftware, Li-X, MRM und USC fordern und tun (und teils per Blockchain hinterlegen), oder erst auf Nachfrage von Wirtschaftsprüfern Einblicke in Unterlagen der Rechtekette gewähren, wie es Vendosoft praktiziert, ist letztlich eine Frage des USPs, den seriöse Vermarkter für sich reklamieren. Zudem dürfte im Fall von Windows auch durch die Erschöpfung nicht die erwähnte Voraussetzung einer vorhandenen OEM-Lizenz für das Gerät ausgehebelt werden.

Kommentare (7) Alle Kommentare

Antwort von lizenzstinktier , 14:16 Uhr

Guter Artikel der das Geschätsmodell gut beschreibt. Ihr habt mich als Leser dazugewonnen. Besser recherchiert als bei Heise.

Wer denkt er erhält bei Lizengo, Lizenzfuchs, Tornadosoft usw. legale Lizenzen, der irrt. Das ist Betrug im großen Stil. Die nutzen die Unwissenheit der Kunden schamlos aus. Nur weil ein Key sich aktivieren lässt heißt es nicht, dass man das Nutzungsrecht an der Software bzw. eine Lizenz erwirbt. Man kauft eigenltich nur wertlose Keys, die massenhaft auch an andere Kunden verkauft werden. Meistens sind das MAK Keys die sich mehrfach aktivieren lassen.

Antwort von Lothar , 14:21 Uhr

Erstmal vorneweg, ich habe nichts mit Lizengo zu tun.

Aber irgendwie schein mir Ihre Berichterstattung doch etwas einseitig zu sein.

Lizengo ist der Böse, und Preosoftware, Li-X, MRM und USC, etc. sind die Guten.

In Ihrer Tabelle führen Sie nur die Preise von Lzengo/lizenzfuchs auf, warum nicht auch die Preise der Anderen?

Vendosoft bietet ebenfalls das Office 2019 Profesional Plus an, das wie Sie schreiben nur aus Volumenlizenzverträgen stammen kann, sicherheitshalber wird der Preis aber OHNE MwSt. angezeigt! Wo ist denn hier jetzt der Unterschied?

Von den "Guten" haben Sie die "Aussage" von den Geschäftsführern: Nein sowas "Böses" würden wir ja nie tun.

Bei Lizengo hatten SIe nur Kontakt über die Chat-Funktion, sprich das saß ein Hiwi der nix dazu sagen konnte, wollten Sie nicht mit einem Verantwortlichen reden oder war Lizengo nicht dazu bereit?

Welchen Nutzen bringt mir jetzt Ihr Artikel? Kann ich bei allen Anderen, außer bei Lizengo, bedenkenlos kaufen?

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Antwort von Ede , 19:26 Uhr

Das beschriebene Problem ist ja nicht, dass es sich um gebrauchte und / oder Volumenlizenzen handelt, sondern, dass etwas völlig anderes versprochen als geliefert wird. Das macht für mich als IT-Verantwortlicher schon einen gravierenden Unterschied. Während ich bei den genannten Gebraucht-Anbietern genau nachvollziehen kann, welche Art von Lizenz ich bekomme, woher sie stammt und dass sie gebraucht ist, bekomme ich bei Lizengo und Konsorten einen Key und dazu eine Geschichte vom Pferd die Münchhausen als Waisenknaben erscheinen lässt, und für die ich meinen Kopf sicher nicht hinhalten will…

Antwort von BR0KK , 12:00 Uhr

Die Frage ist wie der normale User denn davon Kenntniss haben kann/ soll. Der kauft bei EDEKA einen Key im glauben das das was da angeboten wird rechtens und damit seins ist.

Aktivieren lässt sich der Key auch einwandfrei….. und sogar die Anmeldung am MS Konto funktioniert damit ?!

Wenn dann der Key gesperrt wird oder sogar ein Audit mit Anzeige droht :/ (Gibts da bereits Fälle zu? Verurteilet Personen? Gerichtsurteile?)….

Gebrauchte Keys zu verkaufen (sofern aus legalen Quellen) ist ansich einen gute Idee. MS ist ja dagegen …. Die wollen unbedingt neu verkaufen…..