Software von Lizengo, Lizenzfuchs, Edeka & Co unter der Lupe: Softwareschnäppchen: Zu schön, um wahr zu sein

Bei Software ist Geiz nicht etwa geil, sondern fahrlässig. Kunden können auf Betrug hereinfallen oder kaufen Keys ohne Nutzungsrechte. Was seriöse Händler und Distributoren schon lange bemängeln, bestätigen CRN-Testkäufe: Softwarekauf, nicht nur zwischen Kraut und Rüben bei Edeka, birgt ein erhebliches Risiko. CRN sagt, warum.

Follow the Rights

»Die Präsenz von Online-Anbietern im IT-Channel wird immer größer, allerdings wird es gleichzeitig auch immer komplizierter, zwischen seriösen Großhändlern und dubiosen Handelstreibenden zu unterschieden.« Oliver Gorges, Prokurist Cop Software
(Foto: cop software + services)

Genau das schädigt das Geschäft der um seriösen Handel und Aufklärung bemühten Reseller und ihrer Distributoren in erheblichem Umfang – vor allem dann, wenn es um gebrauchte Software geht. Hier haben oberste Gerichte mittlerweile für Klarheit gesorgt und Voraussetzungen für eine legale Nutzung in ihren Urteilen dargelegt. Mag Herstellern der entscheidende Erschöpfungsgrundsatz im Urheberrecht nicht schmecken, sie stehen nicht über den von BGH und EuGH bestätigten Gesetzen, wonach der Handel mit gebrauchter Software legal sein kann. Dieser gilt auch für den elektronischen Vertrieb (ESD) und bei der Aufspaltung von Lizenzen aus Volumenverträgen. Andererseits ist hier bei Weitem auch nicht alles erlaubt, was in der täglichen Praxis beobachtet werden kann.

Um rechtssicher vorzugehen, halten seriöse Händler deshalb zumindest bei ihren im B2B-Geschäft angebotenen Lizenzen, die vorwiegend aus Volumenverträgen stammen, umfangreiche Dokumente bereit, wie zum Beispiel eine Löschungserklärung der Vorbesitzer und einen Nachweis der Lizenzkette. Es ist zwar umstritten, ob und inwieweit das auch rechtlich notwendig ist, aber wer als Käufer auf Nummer sicher gehen will, sollte entsprechende Dokumente auf jeden Fall einfordern. Einerseits zeigt sich dann schnell, inwieweit der Anbieter zur Transparenz bereit ist und was die angebotenen Lizenzen wirklich wert sind.

Dabei gilt es, verschiedene Kriterien zu beachten. Das beginnt bei der grundsätzlichen Frage, woher eine Software lizenzrechtlich und geografisch stammt. Handelt es sich um eine neue Einzelplatzlizenz, eine gebrauchte OEM-Version oder stammt sie aus einem Volumenvertrag, wer war der Ersterwerber und in welchem Land wurde die Lizenz erstmals in den Umlauf gebracht? Wer waren eventuell weitere Besitzer und wie waren die Verkaufswege, und liegen aussagekräftige Löschungserklärungen der Vorbesitzer vor? Hier lauern manchmal auch auf den ersten Blick kaum sichtbare Fallen, beispielsweise wenn die Software ursprünglich nicht innerhalb des europäischen Wirtschaftsraums in den Verkehr gebracht wurde oder die Schlüssel mehrfach verkauft wurden. Für eine sorgenfreie Nutzung gebrauchter Software können solche – von manchen Anbietern auch bewusst versteckte – Details entscheidend sein.

Kommentare (7) Alle Kommentare

Antwort von lizenzstinktier , 14:16 Uhr

Guter Artikel der das Geschätsmodell gut beschreibt. Ihr habt mich als Leser dazugewonnen. Besser recherchiert als bei Heise.

Wer denkt er erhält bei Lizengo, Lizenzfuchs, Tornadosoft usw. legale Lizenzen, der irrt. Das ist Betrug im großen Stil. Die nutzen die Unwissenheit der Kunden schamlos aus. Nur weil ein Key sich aktivieren lässt heißt es nicht, dass man das Nutzungsrecht an der Software bzw. eine Lizenz erwirbt. Man kauft eigenltich nur wertlose Keys, die massenhaft auch an andere Kunden verkauft werden. Meistens sind das MAK Keys die sich mehrfach aktivieren lassen.

Antwort von Lothar , 14:21 Uhr

Erstmal vorneweg, ich habe nichts mit Lizengo zu tun.

Aber irgendwie schein mir Ihre Berichterstattung doch etwas einseitig zu sein.

Lizengo ist der Böse, und Preosoftware, Li-X, MRM und USC, etc. sind die Guten.

In Ihrer Tabelle führen Sie nur die Preise von Lzengo/lizenzfuchs auf, warum nicht auch die Preise der Anderen?

Vendosoft bietet ebenfalls das Office 2019 Profesional Plus an, das wie Sie schreiben nur aus Volumenlizenzverträgen stammen kann, sicherheitshalber wird der Preis aber OHNE MwSt. angezeigt! Wo ist denn hier jetzt der Unterschied?

Von den "Guten" haben Sie die "Aussage" von den Geschäftsführern: Nein sowas "Böses" würden wir ja nie tun.

Bei Lizengo hatten SIe nur Kontakt über die Chat-Funktion, sprich das saß ein Hiwi der nix dazu sagen konnte, wollten Sie nicht mit einem Verantwortlichen reden oder war Lizengo nicht dazu bereit?

Welchen Nutzen bringt mir jetzt Ihr Artikel? Kann ich bei allen Anderen, außer bei Lizengo, bedenkenlos kaufen?

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Antwort von Ede , 19:26 Uhr

Das beschriebene Problem ist ja nicht, dass es sich um gebrauchte und / oder Volumenlizenzen handelt, sondern, dass etwas völlig anderes versprochen als geliefert wird. Das macht für mich als IT-Verantwortlicher schon einen gravierenden Unterschied. Während ich bei den genannten Gebraucht-Anbietern genau nachvollziehen kann, welche Art von Lizenz ich bekomme, woher sie stammt und dass sie gebraucht ist, bekomme ich bei Lizengo und Konsorten einen Key und dazu eine Geschichte vom Pferd die Münchhausen als Waisenknaben erscheinen lässt, und für die ich meinen Kopf sicher nicht hinhalten will…

Antwort von BR0KK , 12:00 Uhr

Die Frage ist wie der normale User denn davon Kenntniss haben kann/ soll. Der kauft bei EDEKA einen Key im glauben das das was da angeboten wird rechtens und damit seins ist.

Aktivieren lässt sich der Key auch einwandfrei….. und sogar die Anmeldung am MS Konto funktioniert damit ?!

Wenn dann der Key gesperrt wird oder sogar ein Audit mit Anzeige droht :/ (Gibts da bereits Fälle zu? Verurteilet Personen? Gerichtsurteile?)….

Gebrauchte Keys zu verkaufen (sofern aus legalen Quellen) ist ansich einen gute Idee. MS ist ja dagegen …. Die wollen unbedingt neu verkaufen…..