Software von Lizengo, Lizenzfuchs, Edeka & Co unter der Lupe: Softwareschnäppchen: Zu schön, um wahr zu sein

Bei Software ist Geiz nicht etwa geil, sondern fahrlässig. Kunden können auf Betrug hereinfallen oder kaufen Keys ohne Nutzungsrechte. Was seriöse Händler und Distributoren schon lange bemängeln, bestätigen CRN-Testkäufe: Softwarekauf, nicht nur zwischen Kraut und Rüben bei Edeka, birgt ein erhebliches Risiko. CRN sagt, warum.

Mehr Schein als gut

Im Rahmen ihrer Test-käufe hat die CRN auch einige Lizengo-Gutscheine bei Edeka erworben
(Foto: CRN)

CRN hat Edeka-Gutscheine für Windows 10 Pro (39,99 Euro) und »Office Home & Student 2016« (84,99) gekauft, alles klappte reibungslos wie von Lizengo beschrieben. Die Überprüfung beim PID ergab allerdings auch hier wieder das bekannte Ergebnis. Die Prüfer beziehen sich darin auf neueste und ältere Gerichtsurteile zum Vertrieb von Software. Knackpunkt beim Verkauf lediglich eines Produkt-Keys: Man erwirbt damit nicht automatisch die Nutzungsrechte an einer Software. »Die Product Keys selbst stellen keine Lizenz dar«, bezieht sich das PID in seinem Schreiben an CRN auf ein Urteil des OLG Münchens vom 1. Juni 2017. Wer einen Fahrzeugschlüssel in den Händen hält, muss lange noch nicht der Besitzer des KFZ sein. Der nämlich steht im Fahrzeugbrief, analog dazu wäre das bei Software der Lizenzvertrag.

Aus den von CRN eingereichten Belegen geht der PID deshalb davon aus, dass »ihr Lieferant Ihnen nur Product Keys und Downloadlinks übermittelt« hat. Ob Lizengo die vom PID genannten Voraussetzungen für eine rechtmäßige Nutzung seiner uns verkauften Software erfülle, könne nicht nachvollzogen werden. »Demnach kann derzeit auch nicht davon ausgegangen werden, dass Sie über die nötigen Nutzungsrechte für die überprüften Produkte verfügen«, so der abschließende Satz des Produktidentifikationsservices von Microsoft an den Testkäufer.

Fazit: Ein alles in allem sehr unbefriedigendes Ergebnis. Der Käufer hat freilich bei Lizengo Geld gespart, muss aber mit der Unsicherheit leben, dass Microsoft das Nutzungsrecht an der bei Lizengo über Edeka-Gutscheine erworbenen Software nicht bestätigen kann. Entsprechende Belege könnte nur Lizengo beibringen, bleibt sie aber schuldig. Vor allem für Firmen kann das zum Problem werden. Denn im Zweifel müssen sie beweisen, die Softwarenutzung rechtmäßig erworben zu haben. Ein gutgläubiger Erwerb urheberrechtlicher Nutzungsrechte, zumal bei gebrauchter Software, ist nicht möglich.

Kommentare (7) Alle Kommentare

Antwort von lizenzstinktier , 14:16 Uhr

Guter Artikel der das Geschätsmodell gut beschreibt. Ihr habt mich als Leser dazugewonnen. Besser recherchiert als bei Heise.

Wer denkt er erhält bei Lizengo, Lizenzfuchs, Tornadosoft usw. legale Lizenzen, der irrt. Das ist Betrug im großen Stil. Die nutzen die Unwissenheit der Kunden schamlos aus. Nur weil ein Key sich aktivieren lässt heißt es nicht, dass man das Nutzungsrecht an der Software bzw. eine Lizenz erwirbt. Man kauft eigenltich nur wertlose Keys, die massenhaft auch an andere Kunden verkauft werden. Meistens sind das MAK Keys die sich mehrfach aktivieren lassen.

Antwort von Lothar , 14:21 Uhr

Erstmal vorneweg, ich habe nichts mit Lizengo zu tun.

Aber irgendwie schein mir Ihre Berichterstattung doch etwas einseitig zu sein.

Lizengo ist der Böse, und Preosoftware, Li-X, MRM und USC, etc. sind die Guten.

In Ihrer Tabelle führen Sie nur die Preise von Lzengo/lizenzfuchs auf, warum nicht auch die Preise der Anderen?

Vendosoft bietet ebenfalls das Office 2019 Profesional Plus an, das wie Sie schreiben nur aus Volumenlizenzverträgen stammen kann, sicherheitshalber wird der Preis aber OHNE MwSt. angezeigt! Wo ist denn hier jetzt der Unterschied?

Von den "Guten" haben Sie die "Aussage" von den Geschäftsführern: Nein sowas "Böses" würden wir ja nie tun.

Bei Lizengo hatten SIe nur Kontakt über die Chat-Funktion, sprich das saß ein Hiwi der nix dazu sagen konnte, wollten Sie nicht mit einem Verantwortlichen reden oder war Lizengo nicht dazu bereit?

Welchen Nutzen bringt mir jetzt Ihr Artikel? Kann ich bei allen Anderen, außer bei Lizengo, bedenkenlos kaufen?

Antworten

Antwort von Ede , 19:26 Uhr

Das beschriebene Problem ist ja nicht, dass es sich um gebrauchte und / oder Volumenlizenzen handelt, sondern, dass etwas völlig anderes versprochen als geliefert wird. Das macht für mich als IT-Verantwortlicher schon einen gravierenden Unterschied. Während ich bei den genannten Gebraucht-Anbietern genau nachvollziehen kann, welche Art von Lizenz ich bekomme, woher sie stammt und dass sie gebraucht ist, bekomme ich bei Lizengo und Konsorten einen Key und dazu eine Geschichte vom Pferd die Münchhausen als Waisenknaben erscheinen lässt, und für die ich meinen Kopf sicher nicht hinhalten will…

Antwort von BR0KK , 12:00 Uhr

Die Frage ist wie der normale User denn davon Kenntniss haben kann/ soll. Der kauft bei EDEKA einen Key im glauben das das was da angeboten wird rechtens und damit seins ist.

Aktivieren lässt sich der Key auch einwandfrei….. und sogar die Anmeldung am MS Konto funktioniert damit ?!

Wenn dann der Key gesperrt wird oder sogar ein Audit mit Anzeige droht :/ (Gibts da bereits Fälle zu? Verurteilet Personen? Gerichtsurteile?)….

Gebrauchte Keys zu verkaufen (sofern aus legalen Quellen) ist ansich einen gute Idee. MS ist ja dagegen …. Die wollen unbedingt neu verkaufen…..