Kritik am Handelsriesen: 20 Jahre Amazon in Deutschland

Vor 20 Jahren wurde im hessischen Bad Hersfeld das erste Amazon-Warenlager in Deutschland eröffnet. Das Unternehmen ist ein wichtiger Arbeitgeber für den Ort geworden. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert jedoch den Umgang mit Mitarbeitern.

Wiederkehrende Streiks

In Sektlaune zum Jubiläum mögen zwar Amazon-Mitarbeiter sein. Von der Gewerkschaft Verdi gibt es aber keine Glückwünsche: »Amazon feiert seinen 20-jährigen Geburtstag. Das heißt 20 Jahre gewerkschaftsfeindliche Arbeitnehmerpolitik. Das Unternehmen hat ohne Zweifel Stellen geschaffen. Aber es will bis heute einseitig diktieren, wie die konkreten Arbeitsbedingungen aussehen«, sagt die für den Fachbereich Handel zuständige Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke.

Sie kritisiert: »Der Alltag für die Beschäftigten bei Amazon ist geprägt von zu geringer Bezahlung, Arbeitshetze, einem rigiden Kontrollsystem und zunehmender Monotonie. Ein Kind wäre jetzt erwachsen und es ist an der Zeit den Beschäftigten mehr Mitbestimmung zuzutrauen. Ein angemessenes Geburtstagsgeschenk wäre die Aufnahme von Tarifverhandlungen für bessere Arbeitsbedingungen.«

Doch gegen Tarifverhandlungen wehrt sich Amazon seit Jahren. Deswegen schwelt ein festgefahrener Streit zwischen dem Versandriesen und der Gewerkschaft. Mitte Mai 2013 rief Verdi erstmals zu Streiks auf, unter anderem auch am Standort Bad Hersfeld. Amazon sieht sich hingegen als mustergültiger Arbeitgeber. Das Unternehmen biete eine Bezahlung am oberen Ende des Branchenüblichen in der Logistik, zudem gebe es Karriere-Chancen und viele Extras.

Dem Geschäft von Amazon scheinen die wiederkehrenden Streiks nicht zu schaden. Der weltgrößte Online-Händler von Tech-Milliardär Jeff Bezos erwirtschaftete im zweiten Quartal 2019 einen Gewinn von 2,3 Milliarden Euro.

Branchen-Experten sehen eine große Dominanz von Amazon. Das Unternehmen habe rund 40 Prozent Marktanteil im deutschen Online-Handel, sagt Heinemann. Das Unternehmen zähle zu den beliebtesten Einkaufsquellen der Deutschen mit 17,3 Millionen Prime-Mitgliedern und 44 Millionen Kunden im Bundesgebiet.

Doch die Marktmacht von Amazon verheißt für manch einen nichts Gutes. »Die Kehrseite ist, dass Lieferanten und Marktplatz-Partner von Amazon in eine Abhängigkeitsfalle zu geraten drohen«, befürchtet Heinemann. Und wenn Produkte gut laufen, werden sie kopiert und selbst angeboten. Die Kunden machen Amazon mit jedem Kauf noch ein Stück mächtiger - und schwächen die Konkurrenz. Dabei heißt es doch: Konkurrenz belebt das Geschäft.

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