Von alten Ängsten und neuen Chancen: Hardware ist Trumpf

Zwei Jahre lang musste der Komponenten-Handel wegen knappen Verfügbarkeiten bei Kernprodukten wie Grafikkarten, CPUs und Flash-Speicher darben. Kaum ist die Krise halbwegs überstanden, steht jetzt mit Cloud-Gaming schon das nächste potenzielle Ungemach vor der Tür.

Gaming als Service

Mit Stadia will Google Gaming zum Service für ein Massenpublikum machen
(Foto: Google Stadia)

Darüber hinaus steht im Herbst neben der Migrationswelle auf Windows 10 allerdings noch ein zweites Ereignis an, das den Handel mit Hardware in den nächsten Jahren grundlegend verändern könnte: Mit Google Stadia geht der erste Gaming-as-a-Service-Dienst an den Start. Voraussichtlich im nächsten Jahr folgt Microsofts xCloud und auch Amazon arbeitet dem Vernehmen nach bereits an einem entsprechenden Angebot. Glaubt man den Versprechen der Anbieter, wird sich der Hardware-Markt damit genauso verändern wie der Handel mit Spielen. Ausgerechnet im lukrativen Gaming-Segment drohen damit langfristig, Umsätze wegzubrechen.

Google verspricht durch seine Highend-Serverlandschaft und spezielle Knotenpunkte etwa hervorragende Performance selbst auf leistungsschwachen Geräten wie Smartphones. Ähnlich soll es dereinst bei Amazon funktionieren. Damit wäre der Kauf eines eigenen Gaming-PCs zumindest für die wachsende Masse der Gelegenheitsspieler nicht mehr notwendig. Im Falle von Microsoft soll statt den Servern offenbar die Xbox vor Ort den Part des Streaming-Hosts übernehmen.

Noch darf derlei Versprechen skeptisch begegnet werden, vor allem angesichts der dafür notwendigen Breitbandverbindungen und der zu erwartenden Latenzen. Dennoch befassen sich die Komponentenhersteller bereits sehr ernsthaft mit dieser Entwicklung und ihren möglichen Konsequenzen. So hat Asus beispielsweise inzwischen selbst passende Server für grafikintensive Berechnungen wie den »ESC8000 G4/10G« im Programm. Einen Abgesang auf das lukrative Fachhandelsgeschäft mit Gaming-Hardware will Pannenbecker deshalb aber noch lange nicht einläuten – gerade im »Bastlerland« Deutschland: »Der Wunsch, einen eigenen Gaming-PC zusammenzubauen und nach seinen Wünschen zu gestalten, ist fest in der DNS vieler Gamer verankert. Daran können auch Streaming-Lösungen nichts ändern.«

Ganz ähnlich sieht das Intel. »Kurzfristig gesehen stellen Trends wie Cloud-Gaming sicher eine Herausforderung dar. Aber auf lange Sicht müssen wir vor neuen Entwicklungen keine Angst haben«, ist sich Long sicher. Denn obwohl man den Trend in die Cloud in allen Industriebereichen sehe, steige damit gleichzeitig auch der Bedarf an immer leistungsfähigeren Komponenten an. Zudem erwartet er, dass die Gaming-Provider ihre Games für PCs optimieren werden. In der Folge bedeute das, »leistungsfähigere Systeme machen dann eben doch einen Unterschied«.