Von alten Ängsten und neuen Chancen: Hardware ist Trumpf

Zwei Jahre lang musste der Komponenten-Handel wegen knappen Verfügbarkeiten bei Kernprodukten wie Grafikkarten, CPUs und Flash-Speicher darben. Kaum ist die Krise halbwegs überstanden, steht jetzt mit Cloud-Gaming schon das nächste potenzielle Ungemach vor der Tür.

Heißer Herbst

»Zurzeit werden vor allem SSD und Arbeitsspeicher sehr stark nachgefragt. Dabei geht der Trend zu immer höheren Speicherkapazitäten. Selbst kleine Micro SD Karten bieten mittlerweile bis zu 1 TByte Kapazität.« Judith Öchsner, Vertriebsleiterin von DexxIT
(Foto: DexxIT)

Dafür darf der Handel in der zweiten Jahreshälfte auf einen weiteren Aufschwung sowohl bei Komponenten als auch bei Komplettsystemen hoffen. Das ist insbesondere dem anstehenden Supportende von Windows 7 zu verdanken. »Das Support-Ende macht sich bereits jetzt durch eine deutlich gestiegene Nachfrage bemerkbar«, freut sich Judith Öchsner, Vertriebsleiterin des Spezialdistributors DexxIT. »Und zum Jahresende erwarten wir in diesem Bereich nochmals einen positiven Nachfrageschub. Deshalb haben wir unser Angebot im Sortimentsbereich Computer-Peripherie und Netzwerk nochmals ausgeweitet.«

Gerade bei Endkunden können Fachhändler hier mit attraktiven Aufrüst-Angeboten punkten, aber auch im B2B-Segment gibt es zahlreiche Firmen, die noch Nachholbedarf haben. Zumal in den Unternehmen neben den PCs oft auch die Server vom Support-Ende betroffen sind. Microsoft schätzt allein die verbleibende Zahl der Windows-7-PCs in Deutschland noch auf mehr als zehn Millionen. Das bevorstehende Supportende sei »eine Karotte, die der Händler seinen Kunden nur unter die Nase halten muss«, freut sich Acers Westeuropachef Wilfried Thom und empfiehlt dem Handel, diese Gelegenheit möglichst bald beim Schopf zu greifen. »Weihnachten beginnt dieses Jahr im Sommer.«

Auf der anderen Seite bedeutet der Wechsel auf Windows 10 allerdings auch den Abschied von einem den ITK-Handel seit Jahrzehnten bestimmenden Refresh-Zyklus, von dem der Hardware-Handel stets profitieren konnte. Da es nach derzeitigem Kenntnisstand keinen Nachfolger mehr für das stetig weiterentwickelte Windows 10 geben wird, dürfte die kommende Austauschwelle die letzte ihrer Art werden. »Das ist die letzte Möglichkeit für Partner, mit einer großen Migration Geld zu verdienen«, pflichtet dem auch Matthias Scharer, Senior Director OEM & Device Sales DACH von Microsoft, bei. Ab Windows 10 sei diese Chance vorbei, weil Microsoft kontinuierlich Updates einspiele. Das Ergebnis werden längere Lebenszyklen und ein kontinuierlicher Prozess des Austauschs und der Aufrüstung alter Hardware sein.