Neugierige Sprachassistenz-Software: Lauschangriff bei Facebook

Nach Amazon, Apple und Google musste jetzt auch Facebook eingestehen, dass Aufnahmen von Nutzern aus seinem Chatdienst Messenger angehört und abgetippt wurden.

(Foto: georgejmclittle - AdobeStock)

Facebook hat Mitarbeiter einige Aufnahmen von Nutzern aus seinem Chatdienst Messenger anhören und abtippen lassen. Betroffen waren laut Facebook nur Nutzer, die die Transkriptions-Funktion für Sprachnachrichten eingeschaltet hatten. Aufgabe der Mitarbeiter sei gewesen, zu prüfen, ob die Software die gesprochenen Sätze korrekt verstanden habe. Die Nachrichten seien zuvor anonymisiert worden. Die Praxis sei vor mehr als einer Woche gestoppt worden, erklärte das Online-Netzwerk in der Nacht zum Mittwoch.

In den vergangenen Wochen waren auch Amazon, Apple und Google in die Kritik geraten, weil sie Mitschnitte von Sprachassistenz-Software von Mitarbeitern auswerten ließen - ohne dass es den Nutzern bewusst war. Die Facebook-Praxis wurde durch einen Bericht des Finanzdienstes Bloomberg bekannt, der die Debatte mit einem Bericht über das Abtippen von Befehlen an Amazons Sprachassistentin Alexa im April losgetreten hatte.

Für Facebook ist die Situation noch etwas heikler als für die anderen Tech-Konzerne: Seit Jahren geht das Gerücht um, Apps des Online-Netzwerks hörten den Nutzern zu, um die Werbung zu personalisieren. Als angeblicher Beleg werden Fälle genannt, in denen Anzeigen zu einer vorherigen Unterhaltung passen. Facebook wies den Vorwurf stets zurück, auch Gründer und Chef Mark Zuckerberg verneinte dies im Frühjahr ausdrücklich bei einer Anhörung im US-Kongress und sprach von einer »Verschwörungstheorie«. Facebook-Manager erklären die Vermutungen auch mit dem Effekt, dass zwischen vielen verschiedenen Anzeigen einem diejenigen auffielen, die zu etwas Aktuellem passten.

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