Systemhausverbund Kiwiko: Der Kitt, der Systemhausgenossen zusammenhält

Drei Jahre nach ihrer Gründung folgen die nächsten Schritte, die aus der Kiwiko einen noch schlagkräftigeren Systemhausverbund machen sollen. Aus strukturellen Fehlern anderer können die Genossen viel lernen.

v.l.n.r. Heino Deubner (Printer4you.com), Jan Bindig (Bindig-Media), Stefan Rupp (Prolan Computer), der scheidende Vorstand Michael Illig (Bükotec), Patrick Kruse (Netgo) und Matthias Jablonski (Kiwiko eG).
(Foto: Kiwiko)

Man kann sich lustig machen über »den Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält«, wie es die Heute-Show vor ein paar Jahren tat und diese vom Bundespräsidenten aufgeworfene Frage mit einer krachenden Collage kommentierte: Steinmeier im rosa »Hello Kitty-Shirt«. Kitt und dergleichen Kleber mögen rhetorisch für eine präsidiale Rede unglücklich gewählt sein. Wäre Steinmeier CEO, hätte er sich von trendigen Consultants etwas von »Spirit« und dem richtigen »Mindset« einflüstern lassen. Meint dasselbe, klingt aber zeitgemäßer.

Von Kitt war bei der Generalversammlung der Kiwiko e.G. unlängst in Kassel zwar nicht die Rede. Davon, wie IT-Unternehmer in den kommenden drei Jahren in der noch jungen Systemhausgenossenschaft noch enger, vertrauensvoller und schneller zusammenarbeiten sollen, schon. Wer die Genossenschaft kennt, weiß, dass man es bei diesem Startup-Verbund mit präsidialer Bedachtsamkeit nicht so hat. Vorstandschef und Mitbegründer Matthias Jablonski packt lieber an, als dass er geschäftsmäßig zu neuen Wegen im IT-Vertrieb mahnt. Ein Anruf bei einem potenziell neuen Genossen, schon kann Jablonski ihm einen Kiwiko-Partner vermitteln, der die benötigte Lösung exakt so in der Praxis einsetzt und sie gerne mit anderen Systemhäusern teilt. Es ist das Gegenteil von strikter Abgrenzung und vehementem Verteidigen der Reviergrenze.

»Interaktion vereinfachen und agiler gestalten«, lautet die Überschrift der jüngsten Presse-Info von Kiwiko. Manchmal geht das auch per Telefon, ganz ohne Tools, die Kiwiko freilich auch im Einsatz hat, haben muss. Denn mittlerweile wächst das unter den Genossen abgewickelte Auftragsvolumen so signifikant, dass die Vermittlung von IT-Experten bei gemeinsamen Projekten effektiver und effizienter über eine Plattform läuft. Der, wenn man so will, digitale Kitt bei Kiwiko, heißt »Skill Finder« und ist so eine Allzweckwaffe beispielsweise gegen Personalengpässe. Je mehr IT-Spezialisten die Genossen darin auflisten, desto besser für das Experten suchende Netzwerk.

Trittbrettfahrern und die stillen Opportunisten, die ein solches reges und hilfreiches Netzwerk vornehmlich und ausschließlich für ihr eigenes Haus nutzbar machen wollen, zeigt Jablonski schon mal die rote Karte. Man wünschte sich seine Konsequenz auch bei anderen Verbundgruppen, die immer wieder von Mitgliedern berichten, die mehr Knowhow vom Netzwerk nehmen als zu geben bereit sind, wenn sie denn überhaupt etwas zu geben haben. Außer der Fähigkeit, wie man rare Fachkräfte anderer Mitglieder an sich bindet.

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