Retouren nehmen überhand: Internet-Käufer schicken jede sechste Bestellung zurück

Mal schauen, was besser passt. Beim Online-Shopping lassen sich die Deutschen oft ein kleines Sortiment zur Auswahl schicken, vor allem bei Kleidung. Kostet ja nichts. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit.

(Foto: Rafael Ben-Ari - AdobeStock)

Die Deutschen bestellen gerne im Internet - und schicken jedes sechste Paket wieder zurück, wie Wirtschaftswissenschaftler der Universität Bamberg ermittelt haben. Im vergangenen Jahr seien das 280 Millionen Pakete und 487 Millionen Artikel gewesen. Bei Kleidung und Schuhen geht sogar fast die Hälfte der Pakete zurück an den Absender: »Das ist der Wahnsinn!«, sagte Björn Asdecker von der Forschungsgruppe Retourenmanagement.

Artikel in drei Größen und drei Farben bestellen, einen behalten, den Rest zurückschicken - Amazon, Otto und Co. machen es den Deutschen einfach. Meistens sind die Retouren für die Verbraucher portofrei. Laut Verbraucherzentrale können sie die Ware auch ohne Originalverpackung zurückgeben, einen Grund für den Widerruf müssen sie nicht angeben. Gesetzlich vorgeschrieben sind nur 14 Tage Widerrufsfrist - im Markt üblich seien aber 28 Tage, sagte Asdecker. Und während in vielen anderen Ländern die Kunden die Ware nur per Nachnahme erhalten, also sofort Geld zahlen müssen, bestellen die Deutschen sehr viel auf Rechnung. Folge: Die Retourenquote ist hier weit höher als in den meisten anderen Ländern.

Ganz kostenlos sind die Retouren aber natürlich nicht: »Damit entstehen Gesamtkosten in Höhe von schätzungsweise 5,46 Milliarden Euro, die einerseits die Kunden durch höhere Marktpreise tragen, andererseits die Margen der E-Commerce-Händler belasten«, erklärte der Wirtschaftswissenschaftler. Und die Retouren belasten das Klima: So viel wie »täglich 2.200 Autofahrten von Hamburg nach Moskau« oder 238.000 Tonnen CO2 im vergangenen Jahr.

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