Also ermutigt Fachhändler bei Schul-IT: Schluss mit digitalem Verwaisungszustand

Klar kommt das Fressen vor der Moral, man muss an der Digitalsierung von Schulen doch auch verdienen dürfen. Das geht auch, wenn Systemhäuser mit durchdachten Lösungsbausteinen ins Rennen um die Milliarden-Budgets aus dem Digitalpakt gehen. Broadliner Also setzt auf Classroom-as-a-Service.

»Schüler sind schließlich unsere Fachkräfte von morgen und übermorgen«, sagt IT-Profi Michael Schickram (rechts).
(Foto: CRN)

In Norwegen teilen sich laut Bildungsmonitor 2018 im Schnitt 2,4 Schüler einen PC, Deutschland liegt mit 11,5 Schülern nur knapp über dem EU-Durchschnitt. Eines der wohlhabendsten Hightechländer hat - einmal mehr bei einer wichtigen Infrastrukturaufgabe - den Anschluss verloren. Wenn, wann nicht jetzt, wo über fünf Milliarden Euro aus dem Digitalpakt Schule in den kommenden Jahren fließen sollen, müsste es Deutschlands Bildungseinrichtungen doch endlich gelingen, bei der IT-Ausstattung zu den führenden skandinavischen Ländern aufzuschließen. Fördergelder sind die Grundlage, um endlich flächendeckend die Kreidezeit an Deutschlands Schulen hinter sich zu lassen. Mehr noch als Geld zählen aber überzeugende Digitalkonzepte und Lösungspakete für tausende Systemhäuser, die jede Art von Schulen quasi um die Ecke als potenzielle Kunden haben.

Ein grundlegendes Business-Problem dabei: Warum sollten sich regionale IT-Spezialisten in den Untiefen der Bürokratie und ihrer Sachaufwandsträger verlieren, wenn Industriekunden mit attraktiven und auch gut bezahlten Aufträgen winken. Schon heute verlieren Systemhäuser Umsatz, weil dringend benötigte Fachkräfte fehlen und sie die boomende Nachfrage aus der freien Wirtschaft nicht bewältigen können. Da auch noch intensiv Schulen beraten, Zeit in Ausschreibungen zu investieren, wenn der preissensitive Auftrag schlussendlich an die Konkurrenz geht, die zwar 200 Kilometer oder weiter entfernt sitzt, aber 30 Euro billiger anbietet und damit den Zuschlag erhalten muss? Ja, sagen vor allem Ausschreibungsprofis, die alle Kniffs öffentlicher Vergabeverfahren kennen.

Zukunftssicherung
Ja, sagen aber auch Fachhändler, denen Schule und IT wirklich am Herzen liegen, wie Michael Schickram. »Wir haben doch eine moralische Verpflichtung, dass unsere Kinder mit modernster Technologie ausgebildet werden«. Der Systemhaus-Chef, ein Gutmensch? Freilich kennt der Gründer der Schickram IT aus dem bayerischen Schwandorf das berühmte Brecht-Zitat, wonach Fressen auch heute noch lange vor Moral kommt. Doch Schickram ist erstens auch Vater eines schulpflichtigen Sohnes und zweitens muss er seine gewinnorientierte Haltung zugunsten eines »karitativen« Engagements nicht einmal verleugnen, das man erfolgreichen Unternehmern gemeinhin abspricht. »Schüler sind schließlich unsere Fachkräfte von morgen und übermorgen«, blickt Unternehmer Schickram auf die Zukunftssicherung seines Systemhauses.

So sehen das übrigens auch die meisten der über 300 Systemhäuser, die in der Fachhandelskooperation Also Network (ANW) des Broadliners Also zusammengeschlossen sind. Die Mitglieder haben kürzlich eine Initiative für mehr Schulpraktika gestartet und stellen bundesweit insgesamt 250 Plätze für Schüler zur Verfügung. Mit 800 Auszubildenden ziehen sie sich ohnehin das Personal heran, das sie auf dem Markt nicht finden. »Bis auf eine Mitarbeiterin haben ich alle meine zwölf Angestellten ausgebildet«, sagt Schickram, der auch Beirat im ANW ist und das neue Konzept »Digitale Technologie in Schulen« von Distributor Also ausdrücklich lobt.

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