»Massive« Investitionen in den Partner-Channel von Google Cloud: Google Cloud greift an

Lange hat Google Hyperscalern wie AWS und Microsoft Azure das Feld überlassen. Jetzt aber schaltet Google in den Kampfmodus. Mit Bernd Stopper setzt Google in DACH auf einen erfahrenen Manager mit Channel-DNA. Doch wie viele Freiheiten hat ein Statthalter eines US-Konzerns hierzulande?

Googles Channel-Chef DACH, Bernd Stopper, gibt ein klares Ziel aus: 100 Prozent Channel, auch Marktführer AWS und seinen Ex-Arbeitgeber Microsoft im Cloud-Geschäft zu überrunden.
(Foto: CRN)

CRN: Herr Stopper, Sie haben 20 Jahre bei Microsoft gearbeitet, nun sind Sie seit mehr als einem Jahr bei Google, ein Konzern mit ganz anderen Wurzeln als Microsoft. Was sind die größten Unterschiede?

Bernd Stopper: Google fühlt sich für mich wie ein großes Startup an: extrem schnell, agil und sehr flexibel. Wir sehen uns zwar als Angreifer im Cloud-Markt, haben aber gleichwohl ein großes und innovatives Portfolio. Es kommt also das Beste aus zwei Welten zusammen.

CRN: Als Startup im Cloud-Infrastrukturgeschäft hat Marktführer AWS klar die Nase vorne, Google ist da erstaunlich spät gestartet. Zu spät?

Stopper: Definitiv nicht. Klar, wir sind Angreifer, sozusagen “the new kid on the block”. Aber schauen Sie sich die Cloud-Adaption des Markes an: Diese liegt bei ungefähr fünf Prozent. Der Markt ist keinesfalls schon verteilt. Wir sind mit unserem Portfolio also genau zum richtigen Zeitpunkt eingestiegen. Außerdem lieben wir Wettbewerb und fühlen uns ganz wohl in der Rolle des Herausforderers. Mit Platz drei im Markt wollen wir uns aber nicht zufrieden geben.

CRN: Was zeichnet Google vor anderen Hyperscalern aus?

Stopper: Zum einen Innovationsführerschaft: Google hat bewiesen, dass man mithilfe von Daten intelligente Lösungen entwickeln kann – Stichwort Machine Learning und künstliche Intelligenz, wo wir führend sind. Zum anderen streben wir die Preisführerschaft an und versuchen immer, die günstigsten Kosten an unsere Kunden weiterzugeben. Google Cloud war das erste Cloud-Unternehmen, das eine minutengenaue Abrechnung von IT-Ressourcen angeboten hat, mittlerweile sind wir im Sekunden-Bereich. Und dann das wichtige Thema Sicherheit, die wir bei Google ganz groß schreiben. So entwickeln und betreiben wir unsere gesamte Infrastruktur selbst – bis hin zu Hardwarekomponenten wie Prozessoren und einzelne Chips. Wir hosten alles selber, haben ein globales eigenes Netz und sogar eine eigene Schiffsflotte, die Tiefseekabel verlegt. Neben der absoluten Priorität auf Sicherheit kann Google auf diese Weise so niedrige Latenzzeiten und die Übertragung von so hohen Datenvolumina gewährleisten.

Zur Differenzierung gehört auch Googles Open-Source-Strategie, die wir bereits seit vielen Jahren fahren. Unsere Entwicklungen wie Kubernetes haben wir vollständig der Entwickler-Community zur Verfügung gestellt und leisten auch weiterhin unseren aktiven Beitrag. Das ist echte Demokratisierung von IT, von der wir überzeugt sind, dass sie der Gesamtheit nutzt. Wir heben uns also technologisch mit unseren innovativen Entwicklungen im Bereich KI und Infrastruktur sowie businessseitig mit einem klaren Fokus auf Sicherheit und Open Source vom Wettbewerb ab.

CRN: Zur Sicherheit zählt bei vielen deutschen Kunden ein Rechenzentrum in Deutschland, auch aus regulatorischen Gründen.

Stopper: Wir betreiben weltweit Rechenzentren, in Deutschland bieten wir in Frankfurt am Main eine sogenannte Cloud-Region, die die selben Anforderungen an Sicherheit und Zuverlässigkeit erfüllt wie unsere eigenen Rechenzentren. Im März eröffnen wir zudem für den Schweizer Markt in Zürich unsere dann 6. europäische Region. Für Google ist die Nähe zum Kunden essentiell.

CRN: Wenn Sie von Kunden sprechen, wen meinen Sie genau?

Stopper: Das sind große Unternehmen wie Airbus oder Metro, aber auch der Mittelstand wie Conrad, Viessmann oder Kaeser Kompressoren bis hin zu kleineren SMB-Kunden und zahlreichen Startups verschiedenster Größe. All diese Unternehmen haben die Innovationskraft von Google Cloud Platform und die Möglichkeiten der G Suite erkannt.

CRN: Diese Kunden betreut Google direkt.

Stopper: Wir haben die Devise ausgegeben, unser Geschäft zu 100 Prozent über Partner abzuwickeln. Soweit sind wir heute noch nicht, sind aber auf einem sehr guten Weg. Wir investieren gerade massiv in den Partner-Channel, mit der Intention, dass unsere Direktvertriebsorganisation in alle Projekte immer auch Partner in den gesamten Prozess integrieren.

CRN: Wovon die großen Google-Partner profitieren. Wie viele Partner hat Google aktuell und wie viele wollen Sie zusätzlich neu gewinnen?

Stopper: Uns kommt es nicht auf die reine Anzahl an, sondern auf die Qualitäten, die Partner mitbringen. Mit Accenture, die übrigens als einer der ersten Partner eine Google-Business-Group etabliert haben, arbeiten wir seit langen Jahren genauso zusammen wie mit Deloitte oder Atos. Zu unserem Netzwerk gehören aber auch Systemhäuser: SoftwareONE, Cancom oder solche, die mit Google groß geworden sind wie Cloudwürdig/Sotec, CloudPilots oder Wabion.

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