Ein Boom mit Problemen: Die Paketbranche feilt an der »letzten Meile«

Drei Mal warf ein Hermes-Bote ein Paket nach oben. Erst beim dritten Versuch landete es auf dem Balkon des Adressaten. Das Video war ein Twitter-Hit, danach verlor der Bote seinen Job. Einzelfall oder passendes Beispiel für Probleme bei der Paket-Zustellung?

Haustürlieferung als »Premiumprodukt«

Künftig könnte die Lieferung an die Haustüre zum kostenpflichtigen Premiumdienst werden
(Foto: Dan Race - Fotolia)

Die Branche arbeitet mit Hochdruck an Innovationen, um die Situation auf der letzten Meile zu verbessern. So setzen die Firmen auf Paketkästen, wo Kunden auch außerhalb der Öffnungszeiten von Paketshops fündig werden - ob die DHL Packstation oder ParcelLock von DPD und Hermes. Im Trend sind zudem Mikro-Depots, kleine Sammelstellen in der Stadt, von wo aus Elektro-Lastenräder die Ladung weitertransportieren. Und der Logistik-Professor Schocke testet bald in Frankfurt/Main mit Hermes eine Straßenbahn, die Pakete in die City fährt, wo die Sendungen auf Lastenräder umgeladen werden.

Für Entlastung auf der letzten Meile soll die Digitalisierung sorgen. Hier geht es um Echtzeit-Navis für optimierte Routen und die Möglichkeit für Empfänger, bessere Lieferzeitfenster und konkrete Zustelltage zu wählen - dann stünde der Paketbote seltener vor verschlossener Tür. Auch Projekte mit Lieferdrohnen gibt es schon.

Angesichts der hohen Kosten der letzten Meile ist es erstaunlich, dass eine Paketbestellung in Deutschland zumeist gleich teuer ist, egal ob man sie nach Hause geliefert bekommt oder in den Paketshop. Das aber könnte sich ändern - Hermes und DPD verlautbaren grundsätzliche Überlegungen, die Haustürlieferung als »Premiumprodukt« einzustufen und damit generell zu verteuern. GLS hat einen ähnlichen Standpunkt. Kommt es in der Paketbranche zu solch einer Preispolitik, könnte die letzte Meile entlastet werden - weil dann der bequeme deutsche Empfänger doch lieber zum Paketshop geht, anstatt tiefer in die Tasche zu greifen.

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