Ein Boom mit Problemen: Die Paketbranche feilt an der »letzten Meile«

Drei Mal warf ein Hermes-Bote ein Paket nach oben. Erst beim dritten Versuch landete es auf dem Balkon des Adressaten. Das Video war ein Twitter-Hit, danach verlor der Bote seinen Job. Einzelfall oder passendes Beispiel für Probleme bei der Paket-Zustellung?

Online-Boom: Fluch und Segen

(Foto: Deutsche Post)

Alle Paketdienstleister wollen ihre letzte Meile verbessern - ob Marktführer Deutsche Post DHL, ob Hermes, DPD oder GLS. Ihre Probleme sind ähnlich: Sie suchen händeringend Fahrer, um die steigende Nachfrage decken zu können. Außerdem müssen die Firmen verstärkt auf E-Mobilität setzen, um Klimavorgaben zu erfüllen - hierbei ist die Deutsche Post mit mehr als 9.000 Streetscootern gut unterwegs.

Die Dienstleister ärgern sich alle über Staus und Parkplatzmangel - entweder ihre Transporter müssen in der zweiten Reihe parken oder ihre Fahrer müssen weit laufen mit den Kartons im Gepäck. Dann öffnet häufig niemand die Tür. Also müssen sie beim Nachbarn oder anderswo ihr Glück versuchen. Das kostet Zeit und Geld - und der Berg an Paketen wird in der Zeit auch nicht kleiner.

Seit Jahren schon nimmt die Sendungsmenge zu. Waren es 2009 laut Branchenverband BIEK noch 1.755 Millionen Pakete, so waren es 2017 bereits 2.804 Millionen - ein Plus von rund 60 Prozent.

Die wirtschaftliche Situation ist angespannt, das verdeutlichen auch Probleme des Marktführers: Die Deutsche Post DHL musste im vergangenen Sommer eine Gewinnwarnung verkünden wegen Problemen im Brief- und Paketgeschäft. An diesem Donnerstag stellt Post-Chef Frank Appel die Bilanz für 2018 vor - und dürfte sich auch zum Paketmarkt äußern. Wie die Wettbewerber auch setzt der Konzern auf umfassende Investitionen, etwa um das Paketshop-Netz auszubauen.

Bei der letzten Meile stehe man »vor massiven Herausforderungen«, sagt Hermes-Sprecherin Marei Martens. Die letzte Meile sei »der mit Abstand aufwendigste Schritt im gesamten Transportprozess«, heißt es auch bei DPD. Auf der Strecke stiegen die Kosten für Paketdienste »massiv«, die Zustellung an private Empfänger sei enorm aufwendig.

Wenig zufrieden ist auch Anne Putz vom Paketdienst GLS, einer Tochter der britischen Royal Mail. »Die Situation auf der letzten Meile hat sich zugespitzt«, sagt sie. Grund: der Boom im Online-Handel - die Bestellmengen stiegen so stark, dass man an Kapazitätsgrenzen komme. Der Fahrermangel, steigende Kosten und andere Faktoren beeinflussten die letzte Meile so, »dass die Produktivität darunter leidet«.

Putz moniert, dass viele Empfänger nicht zu Hause sind beim Zustellversuch. Pakete würden bestellt, obwohl klar sei, dass niemand da ist, wenn der Bote klingelt. Dies sei umso unverständlicher, als es doch Alternativen wie Paketshops gebe. In Dänemark etwa würden solche Abhol-Geschäfte viel stärker genutzt.