BMW und Daimler bündeln Kräfte: Gemeinsam gegen Google

Die Entwicklung selbstfahrender Autos verschlingt Milliarden, neue Wettbewerber setzen die Autokonzerne unter Druck. Zwei harte Konkurrenten machen nun gemeinsame Sache. Experten sehen darin erst den Anfang.

Skalierbare Plattform für automatisiertes Fahren

Die Kooperation sei daher erwartbar und notwendig, sagte Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. »Man muss es schaffen, einen Standard zu setzen, und das schafft man besser zusammen.« Letztlich wird der Gesetzgeber ohnehin gemeinsame Sicherheitsvorgaben vorgeben, wie beim Airbag oder ABS auch schon.

Neu sind Partnerschaften in der Branche nicht. Seit Jahren unterhalten Daimler und BMW eine Einkaufskooperation. Viele Mercedes-Fahrzeuge haben Renault-Motoren unter der Haube. Und auch beim automatisierten Fahren betreten die Konzerne kein völliges Neuland. Der Online-Kartendienst Here etwa gehört gleich mehreren großen Autoherstellern, Zulieferern und anderen Unternehmen gemeinsam. Möglichst exaktes Kartenmaterial ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Autos allein fahren können.

Unklar ist auch noch, wie BMW und Daimler ihre bestehenden Bündnisse in ihre Kooperation integrieren wollen und können. BMW testet das automatisierte Fahren heute weltweit mit 70 Fahrzeugen, unter anderem auch in München, und arbeitet mit Intel, Mobileye, FiatChrysler, Continental und Magna zusammen. Daimler will dieses Jahr zusammen mit dem Zulieferer Bosch in San José im Silicon Valley in den USA selbstfahrende Fahrzeuge auf die Straße bringen. Eine Bosch-Sprecherin sagte, die neue Kooperation zwischen Daimler und BMW berühre dieses Projekt nicht - prinzipiell sei man aber auch offen für Ergänzungen, sprich: weitere Partner.

BMW und Daimler wollen zusammen zunächst die Technik für Autos vorantreiben, die auf der Autobahn selbstständig fahren können, aber noch Gaspedal und Lenkrad haben und von einem Fahrer gesteuert werden können. Mehr Daten aus Testfahrten, mehr Rechenleistung und mehr Sensorik verbessern die Technik. Danach wollen die Konzerne aber auch das komplett selbstfahrende Auto im Stadtverkehr angehen. »Das unterstreicht den langfristig und nachhaltig angelegten Charakter der Kooperation hin zu einer skalierbaren Plattform des automatisierten Fahrens«, teilten sie mit.

Und was ist mit Volkswagen? Auch VW werde den Vorsprung von Google allein nicht aufholen können, sagte Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Die Konkurrenten auf diesem Feld seien nicht BMW und Mercedes, sondern Uber und Google. »Deshalb ist jetzt die Zeit der Kooperationen«, sagte er. Für die deutsche Autoindustrie sei das eine Überlebensfrage.

Übersicht